Abwasserableitung: störungsfrei und unbemerkt

Symbolbild: Abwasserableitung

Jeder Mensch verbraucht pro Tag im Durchschnitt rund 107 Liter Wasser – zum Trinken, Waschen, Duschen, Putzen, Geschirrspülen oder für die Toilette. So wird aus Trinkwasser Abwasser.

Über die Hausleitungen fließt dieses Abwasser in ein unterirdisches Kanalnetz, in Hamburg Sielnetz genannt. Ein knappes Viertel des etwa 5.500 km langen Netzes besteht aus sogenannten Mischsielen, in denen Regen- und Schmutzwasser gemeinsam fließen – der Rest ist als Trennbesielung angelegt. Hier fließt das Regenwasser über Straßeneinlässe (Trummen) in eigene Kanäle.

Zu den Anlagen des Kanalnetzes gehören Siele und Schächte ebenso wie Pumpwerke, Rückhaltebecken und Absperreinrichtungen – insgesamt kommen in der Metropolregion weit über 800.000 technische Anlagen zusammen. Die geforderte ständige Funktionsbereitschaft stellt hohe Anforderungen an die Instandhaltung des gesamten Abwassernetzes und aller dazugehörigen technischen Einrichtungen. Daher sind die Mitarbeiter der Sielbezirke rund um die Uhr im Einsatz.

Die Größe der Siele variiert stark: Die Hausanschlüsse haben beispielsweise nur einen Durchmesser von 15 Zentimetern, einige wenige sind 25 Zentimeter groß. Kleiner sind die Durchmesser nur bei Druckrohrleitungen – dort liegen sie bei acht Zentimetern. Die öffentlichen Siele in den Straßen kommen auf Werte zwischen 15 und 150 Zentimeter. Die Transportsiele, Sammler und die alten Hamburger Stammsiele haben noch weitaus größere Dimensionen und können bis zu 4,70 Meter breit und 3,85 Meter hoch sein. Die lokale Kanalisation liegt meist nur zwei bis fünf Meter tief im Boden, während die größeren Transportsiele und Sammler in Tiefen von bis zu 27 Metern verlaufen können.

Anders als die Straßenkanalisation haben die Transportsiele keinen Anschluss an die Oberflächengewässer, sondern führen – meist im Freigefälle – direkt zum Klärwerksverbund. Sie werden daher auch "Abwasserautobahnen" genannt. Transportsiele und Sammler haben die Aufgabe, die örtliche Kanalisation, insbesondere bei Regenfällen, zu entlasten und so vor Überläufen auf Grundstücke und in die Gewässer zu bewahren.

Auch der Bau von unterirdischen Mischwasser-Rückhaltebecken dient dazu, die Kanalisation bei Regen zu entlasten: Sind die Siele voll, läuft das Wasser über sogenannte Überläufe in die Rückhaltebecken. Dort wird es zwischengespeichert und erst, wenn die Siele wieder aufnahmefähig sind, durch automatische Pumpen oder im freien Gefälle ins Sielsystem zurück befördert.

Unterschiedliche Verfahren der Abwasserableitung

Hamburgs Besielung ist historisch gewachsen: In der Innenstadt sowie in großen Teilen von Altona und Bergedorf wird das Abwasser größtenteils nach dem Mischverfahren abgeleitet – im Rest der Stadt im Wesentlichen nach dem Trennverfahren.

Mischverfahren: Schmutz- und Regenwasser fließt in einem gemeinsamen Kanalisationssystem, das eine Länge von ca. 1.200 Kilometern hat, als Mischwasser zum Klärwerksverbund und wird dort gereinigt. Innerhalb des Mischsystems existieren in der Nähe von Gewässern Mischwasserüberläufe, die das Überfluten der Straßen bei Starkregen weitgehend verhindern.

Trennverfahren: Im ca. 2.200 Kilometer langen Schmutzwasser- und im ca. 1.700 Kilometer langen Regenwasser-Leitungssystem werden Schmutz- und Regenwasser unabhängig voneinander abgeleitet. Das Schmutzwasser wird zum Klärwerksverbund transportiert und dort gereinigt. Das Regenwasser von unbefestigten Flächen versickert entweder im Erdreich oder wird über Regenauslässe in die umliegenden Gewässer geleitet.

Druckentwässerung: In den flachen Entwässerungsgebieten, wie z.B. den Vier- und Marschlanden, Francop und Neuenfelde, erfolgt die Ableitung des Schmutzwassers über ein Druckentwässerungssystem. Da das für den Transport nötige Gefälle fehlt, müssen hier Pumpen eingesetzt werden, um das Abwasser in die Kanalisation zu transportieren. Das Druckentwässerungssystem hat eine Länge von 450 Kilometern; eine Regenkanalisation ist nicht vorhanden.