Anpassung bestehender Infrastruktursysteme an sich wandelnde Rahmenbedingungen

Die Menschen sparen Wasser. Und das ist gut so. Doch ein weiterhin rückläufiger Wasserverbrauch kann zukünftig zu erheblichen Problemen führen. Um die Qualität des Trinkwassers und die Ableitung des Abwassers zu sichern, werden innovative Konzepte benötigt.

Trinkwasser bereit zu stellen, kostet Geld und stellt einen Eingriff in die Natur dar. Deshalb ist der rationelle Umgang mit Trinkwasser sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll. Seit Mitte der 1970er Jahre ist der Wasserverbrauch in Deutschland rückläufig. Mittlerweile liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Hamburg bei rund 110 Litern pro Tag, das sind etwa 30 Prozent weniger als Ende der 70er Jahre.

Das Hamburger Leitungssystem wurde für die seinerzeit notwendigen Wassermengen angelegt. Durch den verminderten Wasserbedarf steigt die Verweildauer des Trinkwassers im Rohrnetz signifikant an. Darunter kann die Wasserqualität leiden. Als Gegenmaßnahmen kommen das Spülen der kritischen Leitungsabschnitte mit Trinkwasser in verbrauchsarmen Zeiten in Frage. Eine andere Option: die Verringerung von Leitungsquerschnitten sowie technische Maßnahmen bei der Wasseraufbereitung. Diese zusätzlichen Investitionen in die Anlagen wirken jedoch preistreibend.

Infolge der verringerten Wasserabgabe kann es auch zu Problemen auf der Abwasserseite kommen: Hamburgs Kanalisation ist als Schwemmkanalisation angelegt und benötigt deswegen gewisse Wassermengen, damit ihre Funktion nicht gefährdet ist. In verbrauchsarmen Zeiten müssen kritische Leitungsabschnitte teilweise schon jetzt mit Wasser gespült werden. Darüber hinaus führt ein rückläufiger Wasserverbrauch zu steigenden spezifischen Kosten, da der Fixkostenanteil bei der Abwasserableitung und -behandlung besonders hoch ist.

Vor diesem Hintergrund wollen wir die Trinkwassergewinnung und die Ableitung von Abwasser sowohl aus qualitativer, wirtschaftlicher sowie aus ökologischer Sicht überdenken. Unabhängig davon muss das Versorgungssystem an den weiter rückläufigen Wasserbedarf angepasst werden. Dazu werden innovative Konzepte benötigt.