Serie „Schwamm drunter“

Neue Plätze für Regenwasser in Hamburg

Damit Regenwasser möglichst ungehindert abfließt, hat HAMBURG WASSER das Kanalnetz systematisch ausgebaut. Beim Umgang mit Starkregen sind aber auch Spiel- und Sportplätze wichtig.

Innovatives Regenwassermanagement im Bestand: Deutschlands erster Regenspielplatz in Neugraben-Fischbek

Seit den 1990er Jahren baut HAMBURG WASSER die Siele im Erdreich aus. „Das waren riesige Bauprogramme. Wir haben kilometerlange Abwasser-Autobahnen gebaut“, erklärt Julia Döring von der Abteilung Integriertes Regenwassermanagement bei HAMBURG WASSER. So ist unter der eigentlichen Kanalisation ein weiteres Netz an Kanälen und Speicherräumen entstanden. Bei starkem Regen fasst das Sielnetz im Untergrund große Wassermassen und sobald im Klärwerk Kapazitäten frei sind, wird das Wasser dorthin geleitet.

Die Bauprogramme waren ein wesentlicher Baustein, um die Hamburger Gewässer sauberer zu bekommen. Denn die Kanalisation hat Überläufe in die Elbe, die Alster, die Bille und den Isebekkanal. Wenn also bei früheren Starkregenereignissen besonders viel Regenwasser die Abwasserkanäle der Innenstadt überflutete, lief ein Teil davon in die Gewässer über.

Mit diesen sogenannten Gewässerentlastungsprogrammen entsprechen die Abwasserkanäle heute dem Stand der Technik. Das zeigt sich bei den Überläufen: In die Alster zum Beispiel wurde früher bis zu 50 Mal pro Jahr Regenwasser-Abwasser-Gemisch eingeleitet, heute passiert das im Schnitt nur noch einmal. „Unsere Kanalisation ist auf einem guten Stand. Im Moment ist es nicht sinnvoll, die Netze flächendeckend für noch stärkere Regenereignisse auszubauen“, sagt Julia Döring.

Die Stadt der Zukunft ist grün

Und trotzdem geht die Arbeit weiter. Denn die Anpassung der Kanäle ist nur ein Etappenziel. Dass der Regen erst gar nicht in die Kanäle gelangt, darum geht es. Das ist in einer dicht bebauten Stadt eine Herausforderung. Denn jahrzehntelang verschwanden immer mehr Flächen unter Beton und Asphalt.

Der Umbau zur Schwammstadt funktioniert über jede Menge Einzelprojekte. Grundsätzlich geht es darum, das Regenwasser an Ort und Stelle zu lassen und es dort verdunsten und versickern zu lassen. Das klappt indem versiegelte Untergründe wieder durchlässiger werden – zum Beispiel mit Rasengittersteinen statt Asphalt.

Versickerungsfähiges Pflaster auf dem Schulhof der Schule Leuschner Straße

Serie „Schwamm drunter“

In Hamburg werden immer mehr Flächen zubetoniert, gleichzeitig regnet es häufiger sintflutartig. Lösungen für die Wassermassen entwickelt HAMBURG WASSER.

Aber auch Hauseigentümer, Betriebe oder Schulen müssen mit ins Boot, denn diese große Aufgabe schaffen wir nur zusammen. In der Serie „Schwamm drunter“ beleuchten wir in lockerer Folge Hintergründe und Ansätze.

Weitere Teile:

Teil 1: Starkregen: Ist Hamburg gut vorbereitet? 

Teil 2: Wie Hamburg zur Schwammstadt wird 

Gräben, Mulden, Rückhaltebecken oder unterirdische Wasserspeicher schaffen Platz, so dass das Wasser langsam verdunsten und versickern kann. Vor allem aber: mehr Grün auf Dächer, an Fassaden, in die Straßen. Denn so verdunstet mehr Wasser. „Wir haben heute Neubaugebiete, in denen das Regenwasser fast komplett abgekoppelt ist von der Kanalisation oder nur noch ein Bruchteil in die Siele läuft“, erklärt Stadtentwicklungsexpertin Sonja Schlipf von HAMBURG WASSER. Beispiele dafür sind das Quartier Kleiner Horst oder die Neubaugebiete Am Weißenberge und Vogelkamp.  

Spielplätze und Schulhöfe

Ein anderes Beispiel ist Deutschlands erster Regenspielplatz in Neugraben-Fischbek. Das Wasser fließt dort zunächst in eine Mulde. Ist die voll, wird es über einen Überlauf abgeleitet in ein Brunnengebiet, wo es direkt versickern kann. So wird aus Regen Grundwasser. An der Mulde gibt es Spielgeräte und über Schautafeln können Kinder den Weg des Wassers verfolgen. „Das ist wirklich ein tolles Beispiel für eine innovative Lösung. Gerade bei Spielplätzen gibt es häufig Bedenken: Wer macht das sauber? Ist das sicher für die Kinder? Hier sehen wir, dass das funktionieren kann“, erklärt Julia Döring. 

Ein naturnaher Wasserkreislauf funktioniert auch im Bestand. Ein Beispiel dafür ist die Grundschule Wegenkamp in Stellingen. Dort fließt der Regen vom Dach in drei Mulden, wo er verdunsten kann. An Schulen finden sich häufig Flächen für Mulden oder Gräben, weil die Planer dort Hofflächen nutzen können.

Sportplatz als Regenrückhaltebecken

Eine große Hürde für den Regenwasserhaushalt ist die Flächenkonkurrenz, das gilt besonders für dicht bebaute innerstädtische Quartiere. Bei der Frage, ob eine Fläche zum Parkplatz oder zum Regenrückhaltebecken wird, entstehen schnell Konflikte. Eine Möglichkeit ist es, Flächen mehrfach zu nutzen wie im Hein-Klink-Stadion in Billstedt. Unter dem Stadion sind Speicher- und Versickerungsanlagen verbaut, sogenannte Rigolen. Sie können bis zu 500 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen. Das ist so viel wie in ein Schwimmbecken passt, das 25 Meter lang, 12 Meter breit und 1,70 Meter tief ist. Sind die Rigolen voll, läuft das Wasser auf die Sportanlage, dann werden die Laufstrecke und Leichtathletik-Flächen überschwemmt.

Der Umbau zur Schwammstadt schützt vor Überflutungen, bringt für Hamburg aber auch jede Menge Lebensqualität. Denn der Klimawandel bringt höhere Temperaturen und längere Hitzeperioden mit sich, die besonders für ältere Menschen gefährlich sind. Grüne, nicht versiegelte Flächen helfen; Bäume spenden wertvollen Schatten. Außerdem kann gespeichertes Regenwasser zum Bewässern von Bäumen und Pflanzen genutzt werden, denn sie werden in Zukunft häufiger längere Zeit ohne Regen auskommen müssen. Sonja Schlipf: „Die Schwammstadt-Idee bringt uns also bei vielen Themen voran: Sie hat das Potenzial Hamburg grüner zu machen, liefert aber auch Möglichkeiten, die Folgen des Klimawandels abzufedern.“

Eine der Mulden in der Grundschule Wegenkamp

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Der RISA-Sportplatz im Video
Regen-Infra-Struktur-Anpassung

RISA

Flächenversiegelung und Klimawandel stellen die Wasserwirtschaft in Hamburg vor neue Herausforderungen. Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft und HAMBURG WASSER haben mit dem Projekt RISA Konzepte für einen zukunftsfähigen Umgang mit Regenwasser erarbeitet.

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