Starkregen

Ist Hamburg gut vorbereitet?

Die Bilder verheerender Wassermassen in großen Teilen Deutschlands lösen Mitgefühl und eine Welle an Hilfsbereitschaft aus. Und sie bringen das Thema Starkregen auch in Hamburg auf die Agenda.

Regen gehört zu Hamburg wie der Michel. Aber: Wie viel ist zu viel? Wann wird aus nervig gefährlich? Hinweise dazu liefert der Hamburger Starkregen-Index, den Andreas Kuchenbecker für HAMBURG WASSER entwickelt hat.

Im Interview erklärt unser Kollege zum Beispiel, warum Hausbesitzer A bei Starkregen der Stufe 5 entspannt dem Plätschern zuhören kann, während bei Hausbesitzer B bei identischer Wetterlage schon 30 Zentimeter Wasser im Keller stehen.  

Wie funktioniert der Starkregen-lndex?

Unser Onlinetool zeigt, wie stark es in Hamburg regnet. Sie können sich bis auf die Straße genau in die Kartenansicht zoomen und nachschauen, wie heftig es in Ihrer Straße gießt oder gegossen hat. Wir teilen den Regen in Kategorien und potenzielle Gefährdungsstufen ein. Das funktioniert so ähnlich wie bei der Windstärkenskala. Bei Orkanen spricht man zum Beispiel von Windstärke 12. Auch unsere Skala ordnet Starkregen in zwölf Stufen ein.

Wie oft wird in Hamburg denn die Schwelle zum Starkregen überschritten?

Pro Jahr haben wir etwa 4 bis 5 Mal Starkregen, die den Index 6 bis 7 erreichen: Im letzten Jahr regnete es am heftigsten am 18. Juni im Südwesten der Stadt, da haben wir die Stufe 10 erreicht. Bei der Stufe 1 regnet es in einer Stunde gut 14 Liter auf einen Quadratmeter, bei Stufe 10 sind es knapp 74 Liter.

Das Besondere am Starkregen ist, dass er sehr lokal auftreten kann. In einem Stadtteil gießt es über Stunden heftig, ein paar Kilometer Luftlinie entfernt fällt kein einziger Tropfen.

Das klingt nach einem guten Tool für Wetterexperten.

Ja, aber nicht nur für die, sondern für alle Hamburgerinnen und Hamburger. Das Tool hilft zu verstehen, wie unterschiedlich die Auswirkungen von Starkregen sind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es ab Starkregen der Stufe 3 zu ersten Überflutungen kommt, aber entscheidend ist auch die topografische Lage. Das zeigen auch die aktuellen Ereignisse in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Die Regenereignisse dort entsprachen einem Starkregenindex der Stufen 11 und 12. Die steilen Hänge haben das Wasser sturzflutartig ablaufen lassen. Der Regen hat Baustelleneinrichtungen, Autos und vieles mehr mitgerissen. Die sperrigen Gegenstände haben die Fließwege des Wassers versperrt und zu Überflutung geführt.

In Hamburg hatten wir an Himmelfahrt 2018 ein vergleichbares Ereignis: In Lohbrügge hat ein Regen der Stufe 11 zu unterspülten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Die Auswirkungen waren schlimm. Verglichen mit der katastrophalen Entwicklung in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatten die Menschen jedoch Glück. Die beiden Ereignisse machen eins deutlich: Wir können nicht allein mit der Stärke des Regens auf die Schäden schließen, sondern müssen immer auch die Gegebenheiten vor Ort betrachten.

Haben Sie denn das Gefühl, dass die Menschen in Hamburg den Schutz ihrer Häuser ausreichend auf dem Zettel haben?

Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger noch mehr sensibilisieren. Dafür haben wir die Starkregengefährdungskarte entwickelt, die Aufschluss über überflutungsgefährdete Gebiete geben. Die Modelle kombinieren jede Menge Daten. Wir kennen fast jede einzelne Fläche in dieser Stadt – also Dächer, Straßen, Wege, Parkplätze und die Grünflächen. Für jede dieser Flächen treffen wir Annahmen, wie viel Wasser in welcher Zeit dort versickert, verdunstet, abläuft oder sich sammelt. Diese Daten von der Oberfläche koppeln wir mit unserem Kanalnetz, um zu prüfen, wie viel Wasser unsere Kanäle aufnehmen können. So berechnen wir, wie viel Wasser auf der Oberfläche bleibt, wo es hinfließt und wann vielleicht ein Keller volllaufen könnte.

Mit diesen Modellen können Sie also genau herausfinden, welche Grundstücke gefährdet sind?

Ja, genau. Wenn jemand in einer Senke gebaut hat, muss der wissen, dass bei einem Starkregen der Stufe 8 schnell 10 bis 20 Zentimeter Wasser auf dem Grundstück stehen können. Es geht darum, langfristig einen passgenauen Schutz zu entwickeln oder die Schäden zumindest so weit wie möglich zu reduzieren. Das ist natürlich ein sehr hilfreiches Tool.

Wie können sich denn Hausbesitzer schützen?

Oft hilft es schon, ein kleines Mäuerchen zu ziehen oder die Rückstausicherungen zu überprüfen. Die verhindern, dass das Wasser aus den vollen Kanälen zurück ins Haus gedrückt wird. Manchmal brauchen wir aber auch eine strukturelle Lösung. Dann müssen wir entsiegeln und dem Wasser mehr Raum und Zeit geben. Bei Neubauprojekten ist das mittlerweile Standard. Es dauert allerdings länger, den Bestand anzupassen. Aber der Umgang mit Starkregen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Da müssen wir alle an einem Strang ziehen.

Andreas Kuchenbecker hat den Hamburger Starkregen-Index für HAMBURG WASSER entwickelt.


Serie „Schwamm drunter“

In Hamburg werden immer mehr Flächen zubetoniert, gleichzeitig regnet es häufiger sintflutartig. Lösungen für die Wassermassen entwickelt HAMBURG WASSER.

Aber auch Hauseigentümer, Betriebe oder Schulen müssen mit ins Boot, denn diese große Aufgabe schaffen wir nur zusammen. In der Serie „Schwamm drunter“ beleuchten wir in lockerer Folge Hintergründe und Ansätze.

Regen-Infra-Struktur-Anpassung

RISA

Zunehmende Flächenversiegelung und die Folgen des Klimawandels stellen die Wasserwirtschaft in Hamburg vor neue Herausforderungen. Die Behörde für Umwelt und Energie und HAMBURG WASSER haben mit dem Projekt RISA gemeinsam Konzepte und Lösungen für einen zukunftsfähigen Umgang mit Regenwasser erarbeitet.

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