• FAQ
  • Verhältnisse
  • Legende

Welche Stoffe untersucht HAMBURG WASSER?

Unser Ziel ist es, Ihnen Trinkwasser in hervorragender Qualität zu liefern, das Sie jederzeit bedenkenlos verwenden können. Deshalb beobachtet unser Labor die Trinkwasserqualität sehr genau. Die Trinkwasserverordnung legt dabei präzise fest, auf welche Schadstoffe das Wasser untersucht wird. Dazu zählen zum Beispiel Pflanzenschutzmittel, Bakterien oder Schwermetalle wie Blei. Zum Schutz der Umwelt und im Interesse der Kundinnen und Kunden kontrolliert HAMBURG WASSER das Wasser über die gesetzlichen Anforderungen hinaus mit modernsten Messverfahren. Im Fokus der Analysen stehen zum Beispiel organische Spurenstoffe wie Hormone oder Medikamente und deren Abbauprodukte. Bei den bisher in Deutschland gemessenen Konzentrationen dieser Substanzen kann ein Gesundheitsrisiko in der Regel ausgeschlossen werden. Als verantwortungsbewusstes und transparentes Unternehmen stellt HAMBURG WASSER seinen Kunden alle Untersuchungsergebnisse zur Verfügung.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Stoffe aus, die untersucht werden?

Das Labor von HAMBURG WASSER gehört zu den größten Wasserlaboratorien in der Bundesrepublik mit modernster Messtechnik. Zunächst analysieren wir unser Wasser selbstverständlich gemäß den gesetzlichen Vorgaben. Mit unseren Partnerinnen und Partnern unter anderem vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches und den Behörden sind wir darüber hinaus im ständigen Austausch über die für das Wasser relevanten Stoffe. Über 300 Parameter haben wir bei unseren Kontrollen im Blick. Im Jahr 2017 haben wir über 71.000 Proben untersucht.

Was bedeuten der Grenz- und der Gesundheitliche Orientierungswert?

Unser Trinkwasser ist ständig unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. So können unterschiedliche Stoffe in das Wasser gelangen, die aus dem Boden gelöst oder in das Wasser eingetragen werden. Auch durch die Trinkwasseraufbereitung und die Hausinstallation können Stoffe in das Wasser gelangen. Für schädliche oder unerwünschte Stoffe wie zum Beispiel Nitrat oder Blei sind in der Trinkwasserverordnung strenge Grenzwerte angegeben. Diese verbindlichen Höchstkonzentrationen müssen eingehalten werden, damit das Trinkwasser als gesundheitlich unbedenklich gilt. Neben toxikologisch bedingten Grenzwerten gibt es auch technisch oder ästhetisch begründete Grenzwerte. Eisen zum Beispiel führt schon in geringen Konzentrationen zu Geschmacksveränderungen und zu einer Braunfärbung des Wassers. HAMBURG WASSER reagiert bereits bei geringen Veränderungen in der Trinkwasserqualität und leitet sofort Maßnahmen ein, um nicht in den Bereich des Grenzwertes zu kommen. Wird ein Grenzwert überschritten, werden sofort weitere Schritte zur Reduzierung der Konzentration und zur Gefahrenabwehr eingeleitet. Der Gesundheitliche Orientierungswert (GOW) stellt im Gegensatz dazu eine Empfehlung dar. Das Umweltbundesamt hat diese GOW-Werte definiert für Stoffe, die toxikologisch noch nicht ausreichend untersucht und bewertet sind. Bei seiner Empfehlung orientiert sich das Umweltbundesamt an Erfahrungen mit bekannten Substanzen. Für HAMBURG WASSER ist es selbstverständlich, dass wir uns auch dem Einhalten der GOW-Werte verpflichtet fühlen.

Wie gelangen die Spurenstoffe überhaupt ins Wasser?

Viele Spurenstoffe gelangen über das Abwasser der Haushalte und Gewerbe- bzw. Industriebetriebe  in die öffentlichen Abwasserentsorgungsanlagen. Das können Tenside aus Shampoos und Putzmitteln sein, Mikroplastik aus Kosmetika, Duftstoffe aus Toilettensteinen, aber auch Medikamente, die über den Menschen ausgeschieden oder über die Toilette falsch entsorgt werden. Auch über die Landwirtschaft werden verschiedene Stoffe in die Gewässer gespült. Dazu zählen zum Beispiel Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Einige Substanzen gelangen auch über den Regen oder direkt in die Gewässer – Flammschutzmittel aus Baumaterial etwa oder Algizide, die in Schiffsanstrichen gegen Algen wirken. Diese durch den Menschen direkt oder indirekt verursachten Rückstände lassen sich heute – auch aufgrund präziser Messmethoden – in Fließgewässern, aber auch im Boden und im Grundwasser nachweisen.

Warum kann das Klärwerk von HAMBURG WASSER das Abwasser nicht so filtern, dass alle Schadstoffe zurückgehalten werden?

Das Klärwerk Hamburg ist als größte Anlage Deutschlands nicht nur auf dem Stand der Technik, sondern übertrifft sogar die gesetzlichen Anforderungen, was die Reinigungsleistung angeht. Schad- und Nährstoffe wie Stickstoff- und Phosphorverbindungen aber auch Mikroplastik oder Keime werden bei der Abwasserreinigung stark reduziert, im Klärschlamm konzentriert und anschließend verbrannt. Nicht alle Spurenstoffe wie Medikamentenrückstände können aber vollständig herausgefiltert werden. Diese Spurenstoffe werden mit dem gereinigten Abwasser teilweise in die Elbe geleitet und gelangen so wieder in den Wasserkreislauf. In der öffentlichen Diskussion wird häufig eine technische Erweiterung der Kläranlagen – die vierte Reinigungsstufe – gefordert. Das Problem: Bislang gibt es keine Technologie, die alle Substanzen vollständig aus dem Abwasser entfernt. Genauso wenig gibt es bisher gesetzliche Anforderungen, auf deren Grundlage solch eine neue Technologie konzeptioniert werden könnte. Die derzeit verfügbaren technischen Lösungen sind zudem mit beträchtlichen Kosten verbunden. HAMBURG WASSER betrachtet den Gewässerschutz daher als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Spurenstoffe müssen genauso wie alle Schad- und Nährstoffe möglichst frühzeitig reduziert werden und dürfen erst gar nicht in die Gewässer gelangen.

Kann man das Leitungswasser ohne Bedenken trinken?

Die Qualität des Hamburger Wassers ist ausgezeichnet und es kann bedenkenlos getrunken werden. HAMBURG WASSER gewinnt das Trinkwasser ausschließlich aus Grundwasser. Im Gegensatz zu Oberflächenwasser – zum Beispiel aus Flüssen oder Talsperren – ist Grundwasser bereits durch die verschiedenen Erdschichten hervorragend gereinigt und vor möglichen Schadstoffeinträgen besonders gut geschützt. Das Wasser darf jedoch nicht über die Maßen verunreinigt werden, weil die technischen Möglichkeiten des Klärwerks und die natürliche Reinigungsleistung des Bodens begrenzt sind. Gewässerschutz ist deshalb unser oberstes Ziel.

Wie groß ist das Problem mit den Spurenstoffen? Muss ich Angst um meine Gesundheit haben?

Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel. Es ist von allerbester Qualität und wird mehrmals täglich geprüft. Analytikerinnen und Analytiker können heute Stoffe in winzigen Mengen aufspüren. Das Labor von HAMURG WASSER kann herausfinden, ob ein Stück Würfelzucker in der Alster gelöst wurde. Das führt dazu, dass immer mehr Stoffe überhaupt erst entdeckt werden. Ob Stoffe Auswirkungen auf die Gesundheit haben, hängt immer auch von der Konzentration ab. Beispiel Diclofenac: Das Schmerzmittel gelangt über Kläranlagen in die Gewässer und konnte in Einzelfällen auch im Trinkwasser nachgewiesen werden. Hamburg ist dabei jedoch nicht betroffen. Die höchste Konzentration, die in einer Trinkwasserprobe bisher gemessen wurde, waren 0,006 Mikrogramm pro Liter. Wer 70 Jahre lang von diesem Wasser täglich zwei Liter trinkt, nimmt damit insgesamt 307 Mikrogramm bzw. 0,307 Milligramm Diclofenac zu sich. Zum Vergleich: Die Tageshöchstdosis des Medikaments beträgt maximal 150 Milligramm. Diese Dosis ist damit etwa 450-mal höher als bei dem lebenslang getrunkenen Leitungswasser. Für den Menschen besteht hier also keine Gefahr. Anders bei Tieren: In Flüssen werden höhere Konzentrationen Diclofenac gemessen als im Leitungswasser. Bei Fischen können die Rückstände des Medikaments Nierenschäden hervorrufen. Und: Die langfristige Wirkung der Substanzen auf die Ökosysteme ist bisher kaum erforscht. Unklar ist auch, ob und wie sich die Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen und wie sie sich in der Nahrungskette anreichern. Es geht im Moment nicht um eine Abwehr konkreter Risiken für den Menschen. Spurenstoffe sind für HAMBURG WASSER im Fokus, um langfristig die Versorgung zu sichern und Mensch und Umwelt zu schützen. 

Wie können Verbraucherinnen und Verbraucher mithelfen Schadstoffe im Wasser zu reduzieren?

Das Wichtigste ist, keine Schadstoffe in den Wasserkreislauf zu bringen. Gehen Sie deshalb vorsichtig mit gefährlichen Stoffen um: Bitte entsorgen Sie Ihre Medikamente nicht in der Toilette oder Spüle, sondern ausschließlich über den Hausmüll. Der Hausmüll wird verbrannt, Schadstoffe werden so vollständig zerstört. Achtung bei gefährlichen Stoffen wie zum Beispiel Quecksilber-Thermometern, Farben, Lacken, Lösungs- und Düngemitteln oder Nagellackentfernern: Gelangen diese Problemstoffe ins Abwasser, belasten sie die Umwelt. Geben Sie diese Substanzen deshalb bitte bei den Recyclinghöfen der Hamburger Stadtreinigung ab. Verwenden Sie Desinfektions- und Reinigungsmittel sparsam und kaufen Sie biologisch abbaubare Produkte. Auch bei Shampoos und Waschmitteln gibt es Produkte, die ohne Duft- und Konservierungsstoffe auskommen. Im Garten gilt: Verzichten Sie zum Schutz der Umwelt auf chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger. Natürlicher Kompost versorgt Pflanzen bestens mit Nährstoffen.

Warum veröffentlichen Sie diese Daten?

Das Interesse am Thema Trinkwasserqualität hat in letzter Zeit deutlich zugenommen. In den Medien wird immer wieder zum Beispiel über Nitrat oder Pflanzenschutzmittel im Grundwasser berichtet. Auch bei uns fragen die Verbraucherinnen und Verbraucher immer häufiger nach. HAMBURG WASSER kontrolliert die Trinkwasserqualität sehr präzise und geht dabei im Interesse der Kundinnen und Kunden über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Diese Informationen stellen wir selbstverständlich zur Verfügung.

Wie viel ist wie viel?

Die Skala, mit denen unser Labor bei der täglichen Trinkwasseranlayse arbeitet, ist schon fast unvorstellbar klein und liegt in der Regel weit unterhalb dessen, was uns im Alltag begegnet. Jeder Schritt, den wir zu einer kleineren Maßeinheit machen, ist in diesem Fall ein Tausendstel der vorangegangenen Einheit – ein Nanogramm entspricht damit einem milliardstel Gramm. 

Deswegen ziehen wir hier für Sie einen Vergleich und setzen die Maßeinheiten der Stoffe, die wir in einem Liter Trinkwasser finden, ins Verhältnis zu unserer Binnenalster. So wird deutlich, dass die tatsächlichen Spuren, die wir von verschiedenen Stoffen in unserem Wasser finden, nur einen Bruchteil unseres Wassers ausmachen.

Grafik zum Vergrößern anklicken.

Der Mensch trinkt...

Nach der Atemluft ist Wasser für uns Menschen die wahrscheinlich wertvollste Ressource, die wir zum Leben brauchen. Es ist nicht nur in unserem Alltag wichtig, beim Waschen oder Zähneputzen. Wir bestehen selbst zu einem großen Teil aus Wasser und viele wichtige Köperfunktionen und Organe würden ohne Wasser gar nicht richtig arbeiten.

Für eine gesunde Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa 1,5 Liter am Tag zu trinken – vorzugsweise Wasser oder Getränke mit wenigen Kalorien, die ihrerseits wieder größtenteils aus Wasser bestehen. Dieser Empfehlung folgend sollte ein Mensch in seinem Leben etwa 44.000 Liter trinken.

Wie aber steht diese Empfehlung den gefundenen Spurenstoffen gegenüber? 

Tatsächlich können wir den menschlichen Einfluss auf unsere Umwelt über viele verschiedene Stoffe mittlerweile auch im oberflächennahen Grundwasser nachweisen: Rückstände aus der Landwirtschaft, Medikamente oder Süßstoffe sind in feinsten Spuren auffindbar.

Wie viel Wasser müssten man aber trinken, um die vergleichbare Dosis eines Medikaments, eines mit Süßstoffen versetzen Fruchtsaftes oder die gleiche Menge Weichmacher wie in einer Dose Tomaten zu sich zu nehmen?

Es zeigt sich, dass wir die allermeisten Stoffe schon über die Nahrung in einer vielfachen Dosis dessen aufnehmen, was wir über das Trinken von Leitungswasser je zu uns nehmen könnten. Bei einem täglichen Konsum von 1,5 Litern Wasser müssten wir unmögliche 2700 Jahre alt werden, um in unserer gesamten Lebenszeit die Dosis einer Schmerztablette zu uns zu nehmen.

Die Spurenstoffe, die wir in unserem Hamburger Trinkwasser finden, sind also weder gefährlich noch gesundheitlich bedenklich. Wir nehmen ein Vielfaches dessen schon auf anderem Wege zu uns, sei es über die Nahrung, die Einnahme von Medikamenten oder andere Umwelteinflüsse. Doch es zeigt sich, dass unsere Gesellschaft mit all ihren Errungenschaften, seien es Schmerzmittel, Dünger, Pestizide oder Süßstoffe, ihre Spuren hinterlässt. Es ist an uns, diese Einflüsse zu minimieren und unsere Einträge in die Umwelt zu verringern, um auch in Zukunft diese lebenswichtige Ressource zu erhalten.

Grafik zum Vergrößern anklicken.

mmol/l

Stoffmenge pro Volumen, hier Liter
Die Anzahl der Moleküle (Mole) in einem Volumen, hier Liter. mmol ist ein tausendstel der Maßeinheit mol.

°dH

Stoffmenge von Stoffen, die zur Bildung der Wasserhärte beitragen
Die Stoffmenge von Calcium und Magnesium in einem Liter. Die Definition besagt,
dass 1°dH 10mg Calciumoxid in einem Liter Wasser entspricht.

µS/cm

Die elektrische Leitfähigkeit im Wasser
Größe für die Konzentration an leitfähigen Stoffen im Wasser.

cm-1

Wellenzahl
Anzahl der Schwingungen einer Lichtwelle pro Einheitslänge.

mg/Kg

Massenkonzentration (m/m)
Menge einer Substanz in einer definierten Grundsubstanz.

mg/l

Massenkonzentration (m/V)
Menge einer Substanz in einem definierten Volumen.
mg ist ein tausendstel Gramm (0,001 g)

µg/l

Massenkonzentration (m/V)
Menge einer Substanz in einem definierten Volumen.
µg ist ein tausendstel mg, also ein millionstel Gramm (0,000001 g)

ng/l

Massenkonzentration (m/V)
Menge einer Substanz in einem definierten Volumen.
ng ist ein tausendstel µg, also ein milliardstel Gramm (0,000000001 g)

/100 ml

Anzahl pro Volumen
Anzahl in einem Volumen (nur in der Mikrobiologie verwendet

/ml

Anzahl pro Volumen
Anzahl in einem Volumen (nur in der Mikrobiologie verwendet

°C

Maßeinheit der Temperatur
Die Skala orientiert sich am ungefähren Schmelz- (0 °C) und Siedepunkt (100 °C) von Wasser.

NTU

Nephelometric Turbidity Unit: Maßeinheit für Trübung von Flüssigkeiten
Der Grenzwert für Trübungen liegt in Deutschland bei 1 NTU.