VERA

Wie aus Klärschlamm neue Ressourcen werden

Unsere Klärschlammverbrennungsanlage VERA entsorgt umweltfreundlich Rückstände aus dem Abwasser und liefert dabei wertvolle Rohstoffe sowie Energie für Wärme und Strom.


Klärschlamm als Rohstoff- und Energiequelle

Seit 1997 trägt unsere VERA im 24-Stunden-Dauerbetrieb nicht nur dazu bei, dass die Kläranlage energieautark betrieben werden kann, sondern sie bringt sogar noch wertvolle Rohstoffe hervor. Aus den Verbrennungsrückständen der rund 138.000 Tonnen Klärschlamm, die wir auf Köhlbrandhöft jährlich aufbereiten und entsorgen, lassen sich nämlich Gips, Asche und Phosphor gewinnen. Das Verbrennen des Schlamms erzeugt zudem 89.000 Megawattstunden Strom im Jahr, den wir für den Betrieb der Kläranlage verwenden, aber auch ins Hamburger Netz einspeisen. Damit nicht genug: Unseren Wärmebedarf decken wir komplett aus dem Prozessdampf, der jedes Jahr bei der Verwertung des Klärschlamms entsteht. Überschüssige Wärmeenergie geben wir ans benachbarte Containerterminal ab. Bei uns verpufft überschüssige Energie also nicht ungenutzt.

Vorbild VERA

Als Entsorgungsfachbetrieb ist VERA nach § 56 KrWG zertifiziert. Die hier eingesetzte Umwelttechnik dient anderen Städten, Kommunen und Verbänden als Beispiel, wenn sie neue Verbrennungsanlagen errichten wollen.

Was genau macht VERA?

Bei der Abwasserreinigung bleibt neben sauberem Wasser, das in die Elbe und damit in den Wasserkreislauf zurückgegeben wird, auch Klärschlamm übrig. Hierin sind Rest- und Schadstoffe konzentriert, die nun fach- und umweltgerecht entsorgt werden müssen. Zunächst wird der noch sehr feuchte Klärschlamm entwässert und getrocknet. Danach ist VERA dran: Sie verbrennt den Schlamm bei mehr als 800 Grad Celsius in sogenannten Wirbelschichtkesseln. Hier sorgt Quarzsand als Energieträger für eine fortwährende Entzündung. Der Vorteil: Wir benötigen für die Verbrennung keine fossilen Brennstoffe mehr. Im Klärschlamm gebundene Schadstoffe wie Mikroplastik werden durch die Hitze zu 99 % vernichtet. Die Abwärme aus dem Verbrennungsprozess nutzen wir übrigens, um neuen Klärschlamm zu trocknen.

 

Großes Foto der Anlage (Fotocredit: Perspektive Media)

Warum VERA VERA heißt

Hier waren weder Kolleginnen, Töchter oder Partnerinnen namensgebend, sondern VERA ist ein Akronym aus Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung. Büschen lang, dachten wir, deshalb einfach VERA!

Im gekennzeichneten Abschnitt entsteht die Baugrube für die VERA II. (Fotocredit: Uwe Papendick)

Asche und Rauch als Ressourcen-Lieferant für Industrie und Landwirtschaft

Wenn der Schlamm verbrannt wird, entsteht sogenanntes Rauchgas. Es durchläuft in der VERA mehrere Reinigungsstufen, um ihm seine Schadstoffe zu entziehen. Erst danach wird es über einen Schornstein an die Luft abgegeben. Bei der Reinigung sondern sich Reststoffe ab, aus denen wir dann zum Beispiel Gips für die Industrie gewinnen. Übrigens: Die fortlaufend gemessenen Emissionen halten die Grenzwerte der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung problemlos ein.
Die Asche aus der Schlammverbrennung lagern wir in Aschesilos zwischen, bevor sie weiterverwertet wird. Aus ihr soll zukünftig Phosphor zurückgewonnen werden, dessen Vorkommen weltweit begrenzt ist – ein weiterer Beitrag zur Ressourcenschonung.

 

VERA bald größte Klärschlamm-verbrennungsanlage Deutschlands

Derzeit haben wir noch drei Verbrennungslinien, eine vierte Linie entsteht gerade mit VERA II. Diese betreiben wir ab 2024 als interkommunale Kooperation zusammen mit dem AZV Südholstein und den Entsorgungsbetrieben Lübeck (EBL). Durch die Erweiterung der VERA steigt die Verbrennungsleistung auf 76.000 Tonnen Trockenmasse pro Jahr, mit Potenzial für noch mehr. Damit begegnet HAMBURG WASSER der Herausforderung, steigende Mengen von Klärschlamm verwerten zu müssen, weil die bisherige landwirtschaftliche Entsorgung vom Gesetzgeber zum Schutz von Boden und Grundwasser nahezu abgeschafft wird. Gleichzeitig erhöht HAMBURG WASSER mit VERA II seine Energieerzeugungsquote um 50 Prozent.

Als Umweltpartner der Stadt Hamburg leisten VERA I und künftig auch VERA II einen wichtigen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Gewässerschutz in der Hansestadt und helfen gleichzeitig dabei, um Stück für Stück Stoffkreisläufe weiter zu schließen.

Im gekennzeichneten Abschnitt entsteht die Baugrube für die VERA II. (Fotocredit: Uwe Papendick)