Interview

Baustellen-Sofortprogramm in der Corona-Krise

In Zeiten von Corona war wenig los auf Hamburgs Straßen. Wir hingegen waren immer im Einsatz, um möglichst viele anstehende Instandhaltungsmaßnahmen umzusetzen. Im Interview gibt unser Kollege Christian Marth einen Einblick dazu, wie die Corona-bedingte Situation der letzten Monate sich auf unsere Arbeit ausgewirkt hat.


Christian Marth arbeitet seit 1995 bei HAMBURG WASSER. Nach diversen Stationen im Unternehmen arbeitet er heute im Netzbetrieb als Referent der Bereichsleitung und ist schwerpunktmäßig für das dezentrale Asset Management zuständig. Kernaufgabe hier ist die Investitionssteuerung des Bereichs – also die Frage, wie und mit welcher Priorisierung das zur Verfügung stehende Budget für nötige Instandhaltungen am über 11.000 Kilometer umfassenden Trink- und Abwassernetz eingesetzt werden sollte.

Hallo Herr Marth, konnte Ihr Bereich aus den schweren vergangenen Monaten auch Positives ziehen?

Ja, definitiv. Zu Beginn der Einschränkungen im öffentlichen Leben wollten wir die Zeit möglichst sinnvoll nutzen. Da kam die Idee auf, die Ausnahmesituation, also die besondere Verkehrsberuhigung, dazu zu nutzen, um Instanthaltungsmaßnahmen im Bereich von Hauptverkehrsstraßen im gesamten Stadtgebiet vorzunehmen. Stand jetzt haben wir 86 solcher Maßnahmen umsetzen können. Das waren viele kleinere – aber auch größere Projekte.

Wann hätten diese Baumaßnahmen denn im Normalfall durchgeführt werden sollen?

Christian Marth, Referent der Bereichsleitung im Netzbetrieb bei HAMBURG WASSER

Vom Hamburger Senat gibt es eine klare Vorgabe dazu, wann wir wo bauen dürfen. Ziel dieser Vorgabe ist es, die Beeinträchtigungen des Verkehrs in der Stadt durch Baustellen möglichst gering zu halten. Für uns bedeutet das, dass wir Bauvorhaben auf Hauptverkehrsstraßen nur in den Schulferien, an Wochenenden oder in der Nacht umsetzen dürfen. Normalerweise hätten wir für das nun genutzte Zeitfenster also keine Genehmigungen erteilt bekommen. Der Zeitraum von Mitte März bis Ende Mai in diesem Jahr war – was die Verkehrslage anging – eine wirkliche Ausnahmesituation. Solch eine Verkehrsberuhigung hat man sonst noch nicht einmal in den Ferien.

Der Zeitraum von Mitte März bis Ende Mai in diesem Jahr war – was die Verkehrslage anging – eine wirkliche Ausnahmesituation.

Wie kam es denn dann dazu, dass die Instandhaltungsvorhaben vorgezogen und durchgeführt werden konnten?

Unser Geschäftführer Ingo Hannemann hat sich gemeinsam mit dem Bereich Infrastrukturkoordination direkt an die Staatsräte gewandt. Das war unkompliziert und wir konnten pragmatisch und zielorientiert in die Umsetzung der Baustellen gehen.

Wie konnten Sie so schnell reagieren?

Wir brauchten keine große Vorbereitung, um zu erkennen, welche Maßnahmen durchgeführt werden sollten. Diese Pläne lagen schon in der Schublade, daher war klar, was zu tun ist. In dieser Zeit haben wir für die Zukunft quasi schon einmal vorarbeiten können. Und durch die schnellere Durchführung der Bauvorhaben haben wir auch wirklich Geld sparen und die Bauvorhaben frühzeitiger abschließen können.

Wie in der restlichen Welt musste man sich auch bei HAMBURG WASSER zunächst auf die Situation einstellen. Zusätzliche Baumaßnahmen durchzuführen, klingt da nicht einfach…

Das stimmt. Die Fremdbaufirmen, die uns bei diesen Maßnahmen unterstützen, mussten sich natürlich auch erst einmal zurechtfinden und sich der Situation anpassen. Aber dann hatten einige Partnerfirmen sogar mehr Kapazitäten als sonst für HAMBURG WASSER frei. Auch wir mussten uns umstellen, aber das ging wirklich schnell.

Wie konnte die Umstellung denn so gut gelingen?

Ein großer Verdienst für die erfolgreiche Umsetzung dieses Sofortprogramms gebührt den Kolleginnen und Kollegen aus den Netzbezirken. Sowohl auf Hamburgs Straßen, ob bei eigens durchgeführten Baumaßnahmen oder der Beaufsichtigung von Fremdfirmen, als auch bei der Koordination der Maßnahmen aus dem Homeoffice heraus wurde tolle Arbeit geleistet. Wir alle haben gemeinsam angepackt und viel umgesetzt, nur so waren die 86 Projekte in kurzer Zeit überhaupt zu bewältigen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Marth, und weiterhin viel Erfolg für Ihre Arbeit!