Fettberg in Großbritannien

Fettablagerungen auch in Hamburger Kanalisation möglich?


Abfälle gehören in den Mülleimer. Was passieren kann, wenn Toilette und Abfluss als Müllschlucker herhalten müssen, hat sich Anfang des Jahres in England gezeigt. In der Stadt Sidmouth verstopfte ein 64 Meter langer Klumpen aus Fett, Feuchttüchern und anderem Abfall die Kanalisation. Auch in Hamburg sind Fettablagerungen in den Abwasserkanälen ein Thema – im Vergleich zu Großbritannien allerdings im Miniaturformat.

Großbritannien hat inzwischen schon traurige Berühmtheit erlangt für die sogenannten Fettberge in der Kanalisation. 2017 wurde in London der bisher größte Klumpen entdeckt: das unappetitliche Gebilde war gut 250 Meter lang und 130 Tonnen schwer. So groß ist das Problem in Hamburg zwar nicht, aber auch hier landen immer wieder Abfälle im WC – darunter jede Menge Fett. „Diese Fettablagerungen sammeln sich vor allem in den Pumpwerken und den sogenannten Dükern. Das sind Abwasserkanäle, die unter Hindernissen wie zum Beispiel U-Bahn-Tunneln oder Flüssen durch das Erdreich geführt werden müssen“, erklärt Martin Schuster, Leiter des Netzmanagements von HAMBURG WASSER. Das Fett wird meist flüssig in die Spüle oder Toilette gekippt. Durch Stoffwechselprozesse in der Kanalisation wird es fest und schwimmt oben, denn Fett ist nicht wasserlöslich und leichter als Wasser. Im Fachjargon heißt der zähe Brei „Schwimm-Schlamm-Decke“. Die Fettklumpen können die Ausmaße eines großen Kürbisses erreichen, immer abhängig davon, wie viel Platz im Siel oder Pumpwerk ist.

Speisefett aus der Pfanne darf nicht ins Abwasser entsorgt werden.

Ins Abwasser entsorgtes Fett bildet in der Kanalisation Fettklumpen.

„Diese Ablagerungen stinken ekelerregend. Das ist eine Folge der Stoffwechselprodukte, die bei der laufenden Zersetzung durch Bakterien entstehen“, berichtet Martin Schuster. Um Verstopfungen und Gerüche zu vermeiden, müssen die Kanalarbeiter die betroffenen Stellen mit schwerem Gerät reinigen, an manchen Stellen ist das sogar wöchentlich notwendig. Immer abhängig davon, wie viel Fett in den Abwasserkanälen landet.

Die achtlose Entsorgung über die Toilette verursacht jede Menge unnötige Arbeit und verstopft auch die Abwasserleitungen im Haus. Wer seinen Müll richtig entsorgt, schont den Geldbeutel und die Umwelt.

Viele Tipps rund um die Entsorgung gibt’s übrigens auch auf den Webseiten der Hamburger Stadtreinigung.

Zum Weiterlesen

Was Fettberge und Feuchttücher in Kanälen mit Social Media zu tun haben
LebensraumWasser. Der Wasser-Blog, Siegfried Gendries, 21.01.2019

Tipps für Verbraucher

Fett richtig entsorgen

Speisefette/Öle gehören zum Bio-Abfall, Frittierfette zum Restmüll. Beides gehört nie in die Toilette oder den Abfluß.

Wenn nach dem Braten noch Ölreste in der Pfanne sind, wischen Sie die Pfanne vor dem Spülen mit einem Haushaltstuch aus. So lässt sich der Fettfilm minimieren. Das Tuch kommt dann natürlich in den Hausmüll.

Das Öl von eingelegten Lebensmitteln wie Fisch oder Oliven eignet sich übrigens auch bestens für Salatdressings oder Saucen.

Auch andere Essensabfälle und Küchenreste gehören grundsätzlich in den Bio- bzw. Hausmüll. In der Kanalisation locken Lebensmittel Ratten und Ungeziefer an.

Presseberichte

Neuer Riesen-Fettberg in englischer Kanalisation entdeckt
dpa-Meldung in Berliner Morgenpost, 08.01.2019

Monster-Fettberg in Kanalisation beseitigt
Spiegel online, 04.11.2017