Der bunte Duschbus für Obdachlose

GoBanyo wird 1 Jahr alt

Wenn er durch die Straßen Hamburgs rollt, ist er nicht zu übersehen: Unter dem Motto „Waschen ist Würde“ bietet der bunte Duschbus von GoBanyo Obdachlosen eine kostenfreie Dusche. HAMBURG WASSER hat den Bus mit entwickelt und sorgt dafür, dass alles richtig angeschlossen ist.


Jeder Mensch sollte das Recht haben sich zu waschen, doch nicht alle können es. Obdachlose sind bei der Hygiene etwa von öffentlichen Einrichtungen abhängig, die teilweise eine ganze Stange Geld kosten wie beispielsweise ein Schwimmbad-Besuch. Keinen Zugang zu Hygiene zu finden, kann dabei fatale Folgen haben: Denn Menschen, die sich nicht waschen, haben in der Regel weniger Chance auf eine Wohnung oder einen Job. Gerade für diese Menschen ist es dann aussichtslos von der Straße wegzukommen.

Das Team von GoBanyo nimmt dieses Problem ernst. Erstmals in Deutschland haben sie es mit einer Crowdfunding-Plattform und vielen Partnern geschafft, einen Duschbus zu bauen. Seit Dezember 2019, also schon seit einem Jahr, rollt das bunte Gefährt durch die Hansestadt. Obdachlose können in dem Bus eine kostenlose Dusche nehmen. Neben Hygiene sind auch Gespräche, soziale Kontakte und Beratung wichtig. Die ehrenamtlich Helfenden vermitteln auch an die zuständigen Sozialämter. So schafft vielleicht sogar der Ein oder Andere den Sprung von der Straße in ein neues Leben. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Auf jeden Fall eine Menge Arbeit. Eine Anleitung für den Bau eines Duschbusses gab es zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht. Wie kommt das Wasser in das Mobil? Und wie wieder heraus? Mit ihrer Idee sind die Gründer von Anfang an auch an HAMBURG WASSER herangetreten. Viele Mitarbeitende konnten ihr Knowhow einbringen.

Bernd Surrey, Referatsleiter Trinkwassernetz Rohrnetzbezirk Mitte, bei der Standortsuche vor einem Unterflurhydranten

Trinkwasser wird regelmässig im Labor untersucht

Schulung von HAMBURG WASSER. Wie schließe ich ein Standrohr an?

„Ich war sehr von der hohen Motivation der Kollegen bei GoBanyo beeindruckt“, erinnert sich Ralf Winter von HAMBURG WASSER, der beim technischen Ausbau des Busses unterstützt hat. Im Oktober 2019 begann schon die Suche nach geeigneten Standorten: Unter anderem musste darauf geachtet werden, dass es einen Trinkwasseranschluss für Standrohre und einen Abwasseranschluss in unmittelbarer Nähe gibt. Bevor es losgehen konnte, mussten unsere Expertinnen und Experten aus dem Trinkwasserlabor prüfen, ob die Werte des Wassers der Norm entsprechen. Noch heute wird im zwei-Wochen-Takt an den Haltestellen des Duschbusses eine Probe des Trinkwassers genommen, da die sogenannten Unterflurhydranten frei zugänglich sind.

Projekt soll in weiteren Städten realisiert werden

Nachdem die Standorte gefunden wurden, mussten die Ehrenamtlichen von HAMBURG WASSER geschult werden. Unser Kollege Bernd Surrey übernahm den Part für den Standrohranschluss und Thomas Meier, Referatsleiter Mikrobiologie im Trinkwasserlabor, schulte die Teilnehmenden für die Wasserproben.

Die harte Arbeit hat sich gelohnt: „Dieses Projekt war sehr zeitaufwendig, aber es ist eine super Sache“, sagt Bernd Surrey. Am Millerntor-Stadion, dem Fischmarkt und dem Museum für Kunst und Gewerbe stand der Duschbus in seinem ersten Jahr. Mittlerweile ist auch noch ein Standort am Spielbudenplatz dazu gekommen. Jeden Betriebstag (derzeit: Mo, Do-So) nutzen rund 20-25 Obdachlose innerhalb von vier Stunden die kostenlose Duschmöglichkeit. Nach einem Jahr ist klar, dass das Projekt Erfolg hat, der Schule machen soll: So will das Team von GoBanyo den Duschbus in Zukunft auch in anderen Städte bringen – denn „Waschen ist Würde“.