HAMBURG WASSER stellt vor

Die Arbeit im Abwasserlabor

Im Interview mit Björn Marquardt, Abteilungsleiter des Trink- und Abwasserlabors bei HAMBURG WASSER, klären wir die wichtigsten Fragen rund um die Analyse von Abwasser.


Das Abwasserlabor von HAMBURG WASSER leistet in unserem Unternehmen einen elementaren Beitrag. So sind die Analysen des Labors notwendig für die Steuerung unseres Klärwerks, für die Überwachung und Kontrolle des behandelten Abwassers und zum Aufspüren von Giftstoffen und anderen Substanzen, die unerlaubt in das Sielnetz eingeleitet werden.

Doch wie sieht die Arbeit des Abwasserlabors im Einzelnen aus? Warum und in welchen Abständen werden Abwasserproben entnommen? Worin unterscheidet sich die Abwasser- von der Trinkwasseranalyse?

HAMBURG WASSER: Herr Marquardt, wie viele Mitarbeiter arbeiten bei Ihnen im Labor?

Björn Marquardt: Unser Team im Abwasserlabor besteht aus insgesamt 26 Kolleginnen und Kollegen. Der Großteil davon ist im Labor tätig oder für die Probennahme zuständig. Zudem wacht ein Qualitätsmanager über die Einhaltung der Vorgaben der Laborakkreditierung und der Abwasserverordnung.

HAMBURG WASSER: Warum werden die Abwasserproben eigentlich entnommen?

Björn Marquardt: Abwasserproben werden aus verschiedenen Gründen aus unseren Anlagen entnommen. Auf der Kläranlage überwachen wir die Effizienz der Aufreinigung des Abwassers und die Funktion der einzelnen Verfahrensstufen. 
Die Proben entnehmen wir für unsere Eigenüberwachung im Rahmen unseres wasserrechtlichen Bescheides, um schnellstmöglich auf etwaige Störungen im Prozess reagieren zu können. 
Darüber hinaus werden auch Proben von externen Anlieferungen untersucht – hierunter fallen zum Beispiel Klärschlämme anderer Kläranlagen. 
Die Probenahme im Sielnetz dient hingegen zum einen dem Schutz der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zum anderen dem Schutz der Siele. Unerlaubt eingeleitete Stoffe, wie Fette oder Reinigungsmittel, stellen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für uns dar und bergen zudem das Risiko der Verschmutzung oder Beschädigung der Siele.
Wenn wir derlei Stoffe entdecken, müssen wir herausfinden, wo diese Stoffe herkommen bzw. an welcher Stelle sie ins Sielnetz eingeleitet wurden. Hier gehen wir dann direkt im Sielnetz auf Spurensuche.

HAMBURG WASSER: Wie oft und wo werden die Abwasserproben entnommen?

Björn Marquardt: Wir beproben regelmäßig die Zuläufe der Kläranlage und unseren Ablauf in die Elbe. Hierbei untersuchen wir 24-Stunden-Mischproben, damit uns nichts entgeht.
Die Verfahrensstufen werden zusätzlich nach einem festgelegten Plan untersucht. 
Außerdem fahren unsere Probenehmer täglich ins Stadtgebiet von Hamburg und entnehmen Proben aus dem Sielnetz.

Björn Marquardt leitet das Trink- und Abwasserlabor bei HAMBURG WASSER

Bis zu 30.000 Proben werden allein im Abwasserlabor jedes Jahr untersucht

Wir analysieren bis zu 30.000 Proben im Jahr. Björn Marquardt, Leiter Trink- und Abwasserlabor

HAMBURG WASSER:  Wie viele Proben werden pro Jahr entnommen?

Björn Marquardt: Wir analysieren bis zu 30000 Proben im Jahr. Die Anzahl der Proben ist abhängig von Probenahmekampagnen, bei denen wir mal etwas genauer an einer Stelle im Sielnetz hinschauen, und den Vorkommnissen im Jahresverlauf. Der größte Anteil ist aber unsere tägliche Überwachung der Kläranlage.
Da eine Probe aus mehr als 10 Flaschen bestehen kann, damit wir jeden Parameter den Vorgaben entsprechend bestimmen können, kommt da einiges zusammen.

HAMBURG WASSER: Welche Parameter entscheiden darüber, wann und von wo eine Abwasserprobe entnommen wird? 

Björn Marquardt: Auf dem Klärwerk sind die Parameter Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor besonders relevant, da wir deren Konzentration minimieren. Dazu kommen diverse weitere Parameter, die für einen reibungslosen Betrieb der Anlage wichtig sind, wie zum Beispiel das Schlamm-Absetzverhalten oder die Zusammensetzung der Klärwerks-Biologie. So sind die Bakterien in den Belebtschlammbecken im Grunde unsere wichtigsten Mitarbeiter: Sie zersetzen die Nährstoffe und sorgen für die Reinigung des Abwassers.

Alle Stoffe, die den Reinigungsprozess stören oder die Siele beeinträchtigen, haben eine große Bedeutung bei der Untersuchung der Sielnetzproben, denn schon dort fangen wir an, die Kläranlage zu schützen. Wir untersuchen auf Schwermetalle, Öle, Fette und andere organische Schadstoffe.

HAMBURG WASSER: Wie viele Stoffe werden konkret im Abwasser untersucht und welche sind das?

Björn Marquardt: Bis zu 80 Parameter werden regelmäßig untersucht, allerdings nie alle in einer Probe. Die Hauptparameter bilden Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Daneben werden aber auch Anionen, Schwermetalle, organische Spurenstoffe, Feststoffe sowie biologische und mikrobiologische Parameter untersucht. 

HAMBURG WASSER: Wie lange dauert die Analyse?

Björn Marquardt: Je nach Analyseverfahren sind definierte Messzeiten, Reaktionszeiten und Standzeiten einzuhalten. Teilweise werden die Parameter über Nacht bestimmt. Aufgrund vorgeschalteter Probenvorbereitung sind viele Proben nach ein bis drei Tagen fertig. Schneller geht es auch, um einen ersten Verdacht erhärten zu können.

HAMBURG WASSER: Was gibt es zu beachten?

Björn Marquardt: Es müssen viele Aspekte beachtet werden, um ein präzises und richtiges Ergebnis zu bekommen. In der Analytik ist immer entscheidend zu wissen, woher die Probe kommt und welche Aussage bzw. Zielsetzung gefragt ist. Je nach gewünschter Zielsetzung können wir die richtige Probenvorbereitung und das beste Analysenverfahren einsetzen. 

HAMBURG WASSER: Worin unterscheidet sich die Abwasseruntersuchung von der Trinkwasseruntersuchung? 

Björn Marquardt: Unterschiede ergeben sie bereits aus verschiedenen Vorgaben: Die Trinkwasseranalyse unterliegt der Trinkwasserverordnung, die Abwasseranalyse der Abwasserverordnung. Und während wir bei der Analyse des Trinkwassers das Ziel verfolgen, die hohe Qualität des Trinkwassers zu sichern und damit ein gesundes Produkt in der Grundversorgung anzubieten, geht es bei der Abwasseranalyse um die Sicherung der Abwasserreinigung und den Schutz unserer Anlagen.
Für die speziellen Herausforderungen haben wir jeweils ein eigenes Abwasserlabor hier auf dem Klärwerk Hamburg und ein eigenes Trinkwasserlabor am Verwaltungsstandort von HAMBURG WASSER in Rothenburgsort.
Die prinzipielle analytische Herangehensweise beider Labore ist jedoch ähnlich; bei beiden Untersuchungen erfolgt eine strategische Planung, eine Probenahme, eine Probenvorbereitung und eine Analyse. Die Zielsetzung und die Verfahren sind aber jeweils unterschiedlich. Ein Beispiel: Die Mikrobiologie spielt in der Trinkwasseranalyse eine große Rolle, bei der Abwasseranalyse hingegen eine geringe.

HAMBURG WASSER: Herr Marquardt, was finden Sie an Ihrer Arbeit besonders spannend?

Björn Marquardt: Wir werden jeden Tag vor neue Herausforderungen gestellt und müssen uns regelmäßig neuen analytischen Aufgaben stellen. Ich finde es spannend, die Prozesse zur Abwasser- und Trinkwasseranalyse mit meinen Kolleginnen und Kollegen weiterzuentwickeln und die Qualität unserer Produkte zu sichern.