Die Hitze und das Wasser

Hamburg erlebt einen beispiellosen Sommer, der Rekorde bricht. Aber wie beeinträchtigt der ausbleibende Regen die Grundwasserbestände? Drei Fragen an den Leiter des Grundwassermanagements bei HAMBURG WASSER, Jörg Grossmann.


Herr Grossmann, wir erleben im Moment einen Sommer, der für Hamburger Verhältnisse ungewöhnlich heiß ist. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass jetzt Probleme bei der Wasserversorgung entstehen. Wie sieht es in Hamburg beim Grundwasser aus?

Trotz des heißen Sommers muss sich niemand Sorgen machen. Für die Grundwasserneubildung ist immer nur das Winterhalbjahr (Oktober bis März) relevant. So stellten sich zum Beispiel nach den beiden in Folge aufgetretenen sehr trockenen Wintern 2013/14 und 2014/15 historische Grundwassertiefstände ein. 2016 und 2017 haben sich die Wasserstände hingegen wieder in einem mittleren Niveau eingependelt.

Die heiße Jahreszeit ist deshalb nicht wichtig für die Grundwasserbildung, da im Sommer und insbesondere in der sogenannten Vegetationsperiode, die Pflanzen wachsen und blühen. Der in dieser Zeit fallende Niederschlag wird in der Regel komplett durch die Pflanzen aufgenommen, verbraucht und an die Atmosphäre zurückgegeben. Nur in sehr nassen Jahren, wie 2017, wenn die Böden über lange Zeit komplett mit Wasser gesättigt sind, kann es auch im Sommerhalbjahr zur Neubildung von Grundwasser kommen.

Dazu kommt noch, dass wir in Hamburg unser Trinkwasser aus sehr mächtigen, sogenannten Hauptgrundwasserleitern fördern. Das System aus drei Hauptgrundwasserleitern reicht, je nach Gebiet, bis in Tiefen zwischen 250 und 450 m. Das von HAMBURG WASSER bewirtschaftete System verfügt damit über ein enormes Speichervolumen. Hitzephasen mit hohem Wasserbedarf werden so problemlos gepuffert.

„Das Gleichgewicht des natürlichen Wasserhaushalts wird geschützt"

Trotzdem wird im Sommer mehr Wasser verbraucht als im Winter. Gerade in solchen Hitze- und Trockenperioden wie in den letzten Monaten steigt der Verbrauch stark. Hat HAMBURG WASSER Zugriff auf genügend Wasser, um die Versorgung auch bei großer Trockenheit sicherzustellen?

Das für HAMBURG WASSER sicher verfügbare nutzbare Grundwasserdargebot beläuft sich auf 132 Mio. m3 pro Jahr. Das bedeutet, dass wir diese Mengen aus dem insgesamt vorhandenen Trinkwasserreservoir fördern dürfen, ohne das wir mehr Wasser verbrauchen, als durch die Grundwassernachbildung nachgeliefert wird. Dadurch wird das Gleichgewicht des natürlichen Wasserhaushalts geschützt.

Vom 1. Januar bis einschließlich 30. Juni 2018 wurden 64,14 Mio. m3 Grundwasser durch HAMBURG WASSER gefördert. Diese Menge liegt um 4 % über dem Vergleichswert des kühlen und nassen Jahres 2017. Vor allem der sehr heiße Mai 2018 hat den Wasserverbrauch hochgetrieben. Allerdings hat sich der Wasserverbrauch durch die Ferienzeit inzwischen wieder in den Normalbereich bewegt. Die gesamte 2018 geförderte Menge dürfte demnach um 2 bis 4% über der Jahresmenge 2017 von 122,6 Mio. m3 liegen, also mit maximal ca. 125 Mio. m3 klar im Rahmen des zur Verfügung stehenden Grundwasserdargebots.

„Für unsere Region sagen die Prognosemodelle eine stabile Grundwasserneubildung voraus"

Durch den Klimawandel stehen uns vermutlich noch häufiger solche „Jahrhundertsommer“ wie 2018 bevor. Hat der Treibhauseffekt und die Veränderung des Klimas Einfluss auf die Grundwasserneubildung und damit auf unsere Wasserversorgung?

Wir haben das Glück, dass die Gewinnungsgebiete aus denen HAMBURG WASSER Trinkwasser fördert, alle in der maritimen Klimazone liegen und damit gut versorgt sind. Anders sieht es in den Gebieten mit kontinentalem Klima, wie zum Beispiel in Brandenburg, aus. Dort war in den letzten 40 Jahren in manchen Gebieten einen Rückgang der Grundwasserneubildung um bis zu 30% festzustellen. Für unsere Region sagen die Prognosemodelle hingegen eine stabile Grundwasserneubildung voraus. Auch die Grundwassermessungen, die wir bei HAMBURG WASSER selbst vornehmen, bestätigen diese Einschätzung. Die Wasserversorgung ist also auf absehbare Zeit gesichert.

Jörg Grossmann, Leiter des Grundwassermanagements bei HAMBURG WASSER