Wie wir unser Grundwasser schützen

Für die Trinkwasserversorgung der Freien und Hansestadt Hamburg fördert HAMBURG WASSER Grundwasser aus bis zu mehreren hundert Metern Tiefe. Die Regionen, in denen diese Grundwasserleiter und -reservoirs liegen, müssen besonders vor Einflüssen geschützt werden. Wie das genau geht erklärt uns Wolfgang Pohle, Ingenieur für Grundwassermanagement bei HAMBURG WASSER.


Herr Pohle, was genau ist Ihre Aufgabe bei HAMBURG WASSER?

Meine Tätigkeit ist ein Teil des Grundwassermanagements. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit der Sicherung von Wasserrechten, dem Grundwasserschutz und der Kontrolle der Grundwasserbeschaffenheit.   

Was finden Sie an Ihrer Arbeit besonders spannend?

Die Interdisziplinarität zwischen Technik, Natur und Politik. Obendrein ist das Arbeitsziel, die langfristige Sicherung der Wasserversorgung, ethisch nicht nur unbedenklich, sondern geradezu geboten, sodass ich voll "dahinter stehen" kann.

Herr Pohle, warum werden Wasserschutzgebiete überhaupt ausgewiesen?

Hamburgs Trinkwasser wird aus Grundwasser gewonnen. Der größte Teil ist aufgrund des geologischen Aufbaus sehr gut vor den Auswirkungen menschlichen Tuns geschützt. Entsprechend ist dieses Wasser qualitativ einwandfrei und bedarf keiner besonderen Schutzvorkehrungen. Bei einem kleineren Teil der genutzten Grundwasservorkommen reicht die natürliche Schutzwirkung der Deckschichten jedoch nicht aus, um mögliche Einträge von Schadstoffen aus der Flächennutzung, wie beispielsweise Pestizide oder sonstige Chemikalien, zu verhindern. In diesen Fällen kann durch rechtsverbindliche Regelungen einer Schutzgebietsverordnung Einfluss auf die Landnutzung sowie Handlungen mit Gefährdungspotential genommen werden.

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Hamburgs Grundwasser

Im Video erklärt Wolfgang Pohle, warum wir unser Grundwasser schützen müssen.

„Derzeit werden insgesamt rund 184 km² geschützt."

Und welche Wasserschutzgebiete gibt es im Einzugsgebiet von Hamburg?

Insgesamt existieren sechs Wasserschutzgebiete in den Wassergewinnungsgebieten von HAMBURG WASSER: Glinde (1986), Baursberg (1990), Süderelbmarsch/ Harburger Berge (1994), Curslack/ Altengamme (1998), Langenhorn (2000), Billstedt (2001). Das Einzugsgebiet des Wasserwerks Stellingen erhält diesen Schutzstatus ebenfalls zeitnah. Für das Wasserwerk Nordheide ist dieses mittelfristig auch vorgesehen.

Seit 1999 ist auch das Einzugsgebiet des von der Holsteiner Wasser GmbH betriebenen Wasserwerks Haseldorfer Marsch durch diesen Status geschützt. Das Werk speist in das Hamburger Versorgungsnetz ein.  

Wie groß ist die Fläche dieser Wasserschutzgebiete?

Die Flächengröße liegt zwischen 3 und 47 km². Insgesamt wurden innerhalb Hamburgs rund 87 km² – das sind immerhin mehr als 11 % des Stadtgebietes – besonders geschützt. In den Schleswig-Holsteinischen Einzugsgebieten nehmen die Wasserschutzgebiete – einschließlich Haseldorfer Marsch – eine Fläche von rund 96 km² ein. Damit sind derzeit insgesamt rund 184 km² geschützt.

Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, ein Wasserschutzgebiet festzulegen?

Die Zuständigkeit für die Veranlassung der Schutzgebietsausweisung und den Verfahrensablauf liegt bei den Fachbehörden der Länder und der Landkreise. Für die Einzugsgebiete unserer Wasserwerke bereiten wir die Planungsunterlagen vor. Nach Beteiligung der Öffentlichkeit durch die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) beschließt der Hamburger Senat die Ausweisung von Schutzgebieten. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind dafür hingegen die Unteren Wasserbehörden zuständig. 

"Manche Nutzungen sind sind in Wasserschutzgebieten gänzlich verboten."

Gibt es besondere Herausforderungen in der Ausweisung von Wasserschutzgebieten in einer Großstadt wie Hamburg?

Die Schutzgebietsverordnung stellt Regeln für die Flächennutzung auf. Sie können einen erhöhten Kontroll- oder technischen Schutzaufwand erforderlich machen. Manche Nutzungen sind sind in Wasserschutzgebieten gänzlich verboten. Bestehende Anlagen genießen aber Bestandsschutz. Je höher die Nutzungsvielfalt und Eigentümerdichte ist, desto höher ist das Potential an Interessenkollisionen im Ausweisungsprozess. Es liegt auf der Hand, dass dies in Ballungszentren eine größere Rolle spielt als in ländlich geprägten Gebieten. Immer wieder stellen wir aber fest, dass mit zunehmendem Informationsstand die Aufregung und damit der Widerstand gegen Schutzgebiete geringer wird.

Gibt es eigentlich auch verschiedene "Arten" von Wasserschutzgebieten?

Die Schutzgebietsverordnungen sind innerhalb der einzelnen Bundesländer im Wesentlichen gleich, berücksichtigen aber auch Besonderheiten der einzelnen Gebiete. 

Wasserschutzgebiete sind in verschiedene Zonen eingeteilt. Dabei gilt, dass die Anforderungen im näheren Einzugsgebiet der Brunnen höher sind als in den weiter entfernten Bereichen.   

Die Zone I umfasst die unmittelbare Umgebung des Brunnens. Diese Fläche – mindestens zehn Meter rund um den Brunnen – ist in der Regel eingezäunt. Jegliche Nutzung, die nicht der Trinkwassergewinnung dient, ist hier verboten.

Die Zone II ist der Bereich innerhalb dessen die Zeit zwischen Eindringen des Wassers in den Boden und Ankunft im Brunnen weniger als 50 Tage beträgt. Hier dürfen unter anderem keine bakteriell bedenklichen Stoffe, wie zum Beispiel Gülle, aufgebracht werden.

Im Fokus sind hier mikrobiologische Verunreinigungen. Ist das Wasser mindestens 50 Tage im Erdreich unterwegs, gilt es als bakteriologisch unbedenklich.

Die Zone III umfasst das restliche Grundwassereinzugsgebiet. Hier geht es um den Schutz vor schwer abbaubaren Stoffen wie beispielsweise Öl, Lösungsmittel oder Pestizide.  

Wenn die Entscheidung für ein neues Wasserschutzgebiet steht, wie sehen dann die nächsten Schritte aus?

Die Entscheidung für oder gegen ein Schutzgebiet trifft die zuständige Wasserbehörde. Von HAMBURG WASSER werden dann die Planungsunterlagen angefertigt. Zentrale Bestandteile sind dabei die Darstellung der wasserwirtschaftlichen und hydrogeologischen Verhältnisse und die Ermittlung des Einzugsgebietes, welches den Planungsraum darstellt. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Darstellung des besonderen Schutzerfordernisses. 

Auf dieser Grundlage führt die für das Verfahren zuständige Behörde die Abstimmung mit den zu beteiligenden staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren durch.  Dieser Schritt ist die größte Herausforderung und die Ursache für die langen Verfahrensdauern. Die formale Festsetzung des Schutzgebietes erfolgt in einem regulären verwaltungsrechtlichen Verfahren.

Wie lange dauert es von der ersten Initiative bis zum Abschluss eines Schutzgebietsverfahrens?

Bedingt durch die notwendige Beteiligung aller Betroffener und durch den politischen Charakter des Vorgangs dauert der Ausweisungsprozess mehrere Jahre. Es können sogar auch Jahrzehnte werden.

Wasserschutzgebiete
Aus großer Tiefe

Das Leitungswasser für Hamburg gewinnen wir aus Grundwasser. Die Bohrungen für unsere Brunnen reichen dafür bis zu 400 Meter unter die Erde.

Kaskade zur Belüftung von Rohwasser.

Wie hier in unserem Wasserwerk Walddörfer wird das Grundwasser nach der Förderung belüftet und anschließend Eisen und Mangan herausgefiltert. Das Ergebnis ist klares Trinkwasser.