Neufassung der europäischen Trinkwasserrichtlinie

Im Dezember 2020 hat das Europäische Parlament die Neufassung der Trinkwasserrichtlinie verabschiedet und somit neue Mindestanforderungen für die Qualität des Trinkwassers festgelegt. Was das konkret bedeutet und welche Standards nun gelten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Frisches Trinkwasser in bester Qualität rund um die Uhr – das ist unser Anspruch als städtischer Wasserversorger. Aber auch für die Europäische Union ist dies ein wichtiges Anliegen, für das sie seit nunmehr 20 Jahren die Standards setzt. Mit der Überarbeitung der Trinkwasserrichtlinie steht vor allem der Schutz dieser lebensnotwendigen Ressource im Vordergrund.

Die Anpassung der Richtlinie stellt das Ergebnis der ersten erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative „Wasser ist Menschenrecht/right2water“ dar, deren Ziel es ist, den Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht anzuerkennen. Dabei geht es einerseits darum, die anhaltende Privatisierung und Liberalisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft zu stoppen. Andererseits sollen über die Anerkennung von Wasser als Menschenrecht im EU-Recht die einzelnen Mitgliedstaaten dazu verpflichtet werden, den Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser und einem funktionierenden Abwassersystem zu garantieren.

Zusammenfassend geht es um folgende Neuerungen:

Risiken für das Trinkwasser frühzeitig erkennen

Eine maßgebliche Anpassung der Richtlinie ist die strengere Überwachung zum Schutz der Trinkwasserressource. Neue Stoffe sollen in einer sogenannten Beobachtungsliste Eingang finden und rund 35 weitere Stoffe sind im Untersuchungsumfang festgelegt. Neben Mikroplastik werden auch Arzneimittel oder andere hormonell wirkende Stoffe mit aufgenommen. Die Beobachtungsliste soll dazu genutzt werden, etwaige Risiken für das Trinkwasser frühzeitig zu erkennen und die Qualität durch Anpassungen in der Aufbereitung aufrecht zu erhalten.

Zudem hat sich Deutschland gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten dafür eingesetzt, dass alle Materialien und Produkte mit Kontakt zu Trinkwasser, wie zum Beispiel Rohre, hohen hygienischen Anforderungen unterliegen. Und auch die Wasserverlustraten müssen künftig an die EU-Kommission übermittelt werden, sodass bei Bedarf rechtzeitig gegengesteuert werden kann. In Deutschland besteht übrigens kaum ein Nachholbedarf, da der Wasserverlust hierzulande vergleichsweise gering ausfällt.

Transparente Informationen zur Qualität des Trinkwassers für Alle

Durch die Neuregelungen der Trinkwasserrichtlinie sollen zukünftig auch online weitergehende Informationen, unter anderem über Qualitätsaspekte des Trinkwassers, veröffentlicht werden. HAMBURG WASSER stellt Ihnen eine detaillierte Trinkwasseranalyse mit über 300 Parametern stellt zur Verfügung.

HAMBURG WASSER setzt auf höchste Standards

Zum Schutz der Umwelt und im Interesse der in Hamburg lebenden Menschen kontrolliert HAMBURG WASSER das Trinkwasser über die gesetzlichen Anforderungen hinaus mit modernsten Messverfahren. Die spezifischen Parameter unterliegen jedoch einer ständigen Entwicklung. Niedrigere Grenzwerte und die neue Beobachtungsliste führen dazu, dass eine noch strengere Überwachung der Ressource Trinkwasser notwendig ist.  
Die Neufassung der Trinkwasserrichtlinie ist Anfang Januar 2021 in Kraft getreten. Die Umsetzungsfrist beträgt zwei Jahre.