Triathlon-Trainingstagebuch

Der HAMBURG WASSER World Triathlon 2017 rückt immer näher und auch viele unserer Kollegen gehen an den Start. An dieser Stelle berichtet ab sofort der erfahrene Triathlet Lars, Mitarbeiter in der Kundenbetreuung, mit einer Portion Humor von seinem Training, teilt seine Erfahrungen und gibt den einen oder anderen wertvollen Tipp zum Besten.

12. Der Tag danach

Der HAMBURG WASSER World Triathlon ist, wenn man am Freitagabend einen blauen Plastikbeutel stolz nach Hause trägt,wenn man sein Fahrrad anschließend auf Herz und Nieren prüft und diese eklig klebende Startnummer am Rad und Helm befestigt, wenn man die längst vergessenen Badeshorts, nebst Schlappen ausgräbt, wenn man sein Trikot nochmal bügelt, wenn man einen leichten Snack - meistens die gute alte Banane - für den Renntag parat legt, wenn man das geheime Powergetränk-Pulver nebst Trinkflasche daneben packt, wenn man mit den Gedanken, ob man am nächsten Tag alles schafft, sich schlafen legt, wenn man vor dem gestellten Wecker schon aufsteht, einen Kaffee kocht, etwas isst und die erste Angespanntheit in einem aufsteigt, wenn man mit dem vor Kraft strotzenden Rad zum Start fährt und sich sagt, heute geht alles, wenn man dort ankommt, die anderen Teilnehmer in der Wechselzone schon in Action sieht und sich sagt, ich pack das doch nicht, wenn man seine Sportskolleginnen und Kollegen trifft, die auch ein wenig nervös sind, aber sich genauso auf den Wahnsinn Triathlon freuen, wenn man gefühlt fünf Minuten später schon los schwimmt, Alsterwasser schluckt, elegant eine Boje umschwimmt, einen Tunnel durchquert, schnaufend aus der Alster krabbelt und zu seinem Rad läuft, wenn man anschließend 20 Kilometer durch Hamburg auf zwei Rädern gefühlt fliegt, gefeiert von vielen Zuschauern, wenn man sein Rad in der längsten Wechselzone der Welt abstellt, sich dann auf die 5 km Laufrunde gen Rathaus, mit einem kleinen Abstecher Alster, aufmacht, wenn man Meter für Meter dem ansteigenden Lärmpegel des Rathausmarktes entgegen läuft, wenn man durch das Ziel läuft, die pure Freude im Gesicht erscheint, seine Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde, seine Familie umarmt, stolz die Medaille um den Hals trägt, denkt, nie wieder mache ich das und am Abend schon sich auf das nächste Jahr freut,dann, ja dann ist ganz Hamburg im Triathlon Fieber.

Auf ein Neues in 2018,

euer Lars

11. Was macht man jetzt noch bis zum Wochenende?

Nun ist es also soweit. Ein paar Tage noch, dann ist es Zeit für DAS Triathlon Wochende. Die Vorbereitung in den letzten Wochen und Monaten ist bei Euch allen hoffentlich gut verlaufen, Ihr seid gesund - ganz wichtig! Wenn nicht, denkt über einen Verzicht nach, denn die Gesundheit geht vor! - und so langsam steigt die Euphorie. So soll es auch sein.

Am Donnerstag, spätestens am Freitag beginnt es zu kribbeln. Ihr habt dann Euren Starterbeutel, Eure Startnummer, den Zeitnahmechip und wisst, jetzt zählt es. Schlimmer, positiv gemeint wohlgemerkt, wird es dann am Samstag oder Sonntag, wenn Ihr das Rad in die Wechselzone geschoben, die weiteren Sportsachen dort im Postkorb (für die rookies: ja, es ist wirklich so!) verstaut, den Neopren Anzug angezogen habt und Euch auf den langen Marsch gen Startzone macht. Dann werdet Ihr über alles nocheinmal nachdenken, was Ihr bis dahin gemacht habt. Egal ob es Euer erster Triathlon ist oder Ihr schon ein paar gemacht habt. Das muss aber auch so sein. Es gehört dazu und es ist auch schön! Glaubt mir. Wenn Ihr dann im Startbereich steht, kommt die Frage nach dem warum. Im Wasser, kurz vor dem Startsignal nochmal und ist es dann ertönt, Euer Wettkampf losgeht, dann werdet Ihr den Wahnsinn Triathlon erleben dürfen!

Also, trainiert noch ein wenig. Die Betonung liegt auf "ein wenig". Fahrt die Intensität langsam runter, prüft Eure Ausrüstung, insbesondere das Rad, legt die benötigten Dinge schon einmal parat. Holt Euch so früh wie möglich Euren Starterbeutel. Und ganz wichtig, macht Eure Familie wild! Mobilisiert sie zu kommen. Natürlich auch die Freunde. Ein eigener Fan-Club muss sein, denn es ist einfach traumhaft schön, von den lieben Menschen in seinem Leben angefeuert zu werden und die Erlebnisse im Ziel zu teilen. Die Euphorie muss ja schließlich raus und mitgeteilt werden. So lange bis irgendwer sagt, "jetzt ist aber auch mal gut"!

In diesem Sinne, ich melde mich wieder.
Lars

10. Vorbilder - Sister Madonna Buder

Viele von uns haben Vorbilder. Menschen, die einen faszinieren, bewegen, denen man in gewisser Art und Weise versucht nachzueifern. Sportlerinnen und Sportler sind sicherlich auch dabei. Fragt man mich, wen ich im Triathlon bewundere, antworte ich Chrissi Wellington, Daniela Ryf, Jan Frodeno oder Chris McCormack. Alle haben Rekorde aufgestellt, zum Teil sicherlich für die Ewigkeit. Rekorde sind nicht alles, denn besondere Persönlichkeiten sind sie außerdem noch.

2015 bei der Challenge in Roth wurden, wie immer im Rahmen der Pasta Party, zwei Tage vor dem Rennen, die Profis vorgestellt und zu ihren Aussichten für den Sonntag befragt.

Anschließend kam eine Dame auf die Bühne, die ich bisher noch nicht kannte. Jutta und mein großer Bruder Michael auch nicht und ebenso ein sehr großer Teil der Anwesenden. Ihr Name: Sister Madonna Buder. Eine katholische Ordensschwester und begeisterte Triathletin aus Missouri, USA. Sie befand sich damals im zarten Alter von 85 Jahren! Sie erzählte von ihren vielen Wettkämpfen, die sie bisher bestritten hat. Vom Gewinnen, vom Verlieren, einen Wettkampf aufzugeben, was nun einmal dazu gehört und auch so sein muss. So wächst man und lernt für das Leben, sagte sie.

An ihrem ersten Triathlon nahm sie mit 52 Jahren Teil. Mit 55 beendete sie ihren ersten Ironman. Seit dem bestritt sie mehr als 340 (!) Triathlons weltweit, davon 45 Mal auf der Ironman-Distanz. 2012, mit 82 Jahren, war sie die älteste Frau der Geschichte, die einen Ironman beendete. Auf Hawaii ist sie ebenfalls schon gestartet und kam ins Ziel. Sie erzählte dies alles in einer unglaublich ruhigen und faszinierenden Art und alle im großen Festzelt schwiegen, lauschten. Gestandene Triathleten. Nach ihrem Interview erhoben sich alle und es gab lange Standing Ovations. Gänsehaut. In dem Moment dachte ich nur, bleibe gesund, lebe dein Leben und sollte ich tatsächlich das Glück haben so alt zu werden, versuch ich irgendwo und wie einen Triathlon zu beenden und werde dann an sie denken.

Am Wettkampftag hatte ich das große Glück ihr auf der Marathonstrecke zu begegnen. Sie kam mir entgegen, lächelte mich an, ich zurück und für ein paar Sekunden war ich einfach nur zufrieden, dass tun zu dürfen, was ich gerade tat: laufen.

(Leider erreichte sie das Ziel nicht innerhalb des Zeitlimits aber ich bin mir sehr sicher, dass die Athletinnen und Athleten, die ihr unterwegs begegnet sind, durch sie für einen Moment zusätzlich Motivation bekommen haben.)

Bis die Tage.
Lars

9. Der Betreuer

Der Triathlet an sich ist ja bekanntermaßen eine besondere Spezies. Eine Sportart reicht ihm nicht, nein, es müssen gleich drei sein. Und diese noch hintereinander und bitte so schnell es nur  geht. Logisch. Man verbringt viel Zeit mit dem Trainieren der einzelnen Disziplinen, benötigt eine beachtliche Menge an Ausrüstung. Heutzutage geht es ja auch nicht ohne den neuesten Neopren Anzug, das schnittigste Zeitfahrrad, ausgiebig im Windkanal getestet, den dazu passenden aero-Helm und zum Abschluss Laufschuhe, die so leicht sind, dass man sie am Fuß gar nicht mehr spürt.

Früher wurde in Badehose, respektive Anzug geschwommen, Sportschuhe an, mit denen Rad gefahren und anschließend auch gelaufen. Fertig. Pioniergeist halt, aber wie ich finde, auch gar nicht so schlecht. Geht halt auch so. Und in 30 Jahren sind wir Triathleten von heute Pioniere für was auch immer gewesen.

Klar, man kann  das alles noch weiter ausführen und hat dann eine unendliche Anzahl von Gegenständen, die zu einem Wettkampf mitgenommen werden müssen. Aber, wirklich müssen?!  Nun kommt jemand ins Spiel, der einem dabei hilft, die Übersicht zu behalten. Er steht einem beruhigend zur Seite, behält den Überblick im Chaos. Hat quasi die Checkliste parat und geht diese am Abend vor dem Wettkampf immer wieder parallel zum Athleten und natürlich unauffällig durch bis alles im großen Rucksack verstaut ist. Als Athlet denkt man dann, cool, habe wieder alles alleine eingepackt...

Die Rede ist vom Betreuer. Dem lieben Partner, Freund, Freundin, Verwandten, welcher einen zum Wettkampf begleitet. Ich weiß aus eigener Erfahrung, irgendwas vergesse ich immer. Bisher zum Glück nichts Elementares, z. B. das Fahrrad. Ist alles dann morgens im Auto verstaut, geht es zum Wettkampf. Nach der Abfahrt wird nur noch darüber gesprochen. Der Betreuer beruhigt und spricht einem Mut zu. Eigentlich schon seit Tagen. Am Wettkampfort, dasselbe Spiel. Der Teilnehmer ein nervöses Etwas, der Betreuer nicht.

Nach dem einchecken fragt der Betreuer ab, ob alles am Rad auch so liegt, wie es sein soll. Die Startzeit wird gecheckt. Kurz vor Beginn des Rennens wird in den Neoprenanzug geholfen. Rucksack wird entgegen genommen. Schließlich hat der Triathlet auch da noch unzählige Dinge dabei, die man eigentlich nicht braucht. Gehe ich an dieser Stelle aber nicht näher darauf ein.

Während des Rennens versucht der Betreuer die Zeit totzuschlagen. Zwischendurch wenn der Triathlet vorbei kommt, äußert er totale Begeisterung und denkt sich, "mach hinne, ich will nach Hause." Verständlich.  Nach dem Rennen wird dieses schwitzende Etwas freudestrahlend entgegen genommen, die Analyse des Rennens wird ertragen, noch mehr Begeisterung geäußert, der Athlet gen Wechselzone geschickt, um nun endlich das Rad zu holen. Alles wird ins Auto gepackt, ab nach Hause.

Jetzt, genau jetzt, auf der Heimfahrt, verehrte Leserschar, ist spätestens ein dickes Dankeschön an den lieben Menschen neben einem fällig, der es einem mal wieder an diesem Tag ermöglicht hat, den geliebten Sport ausüben zu können. Denn sind wir mal ehrlich. Ohne diese lieben Menschen, meistens die Partnerin oder der Partner, ist so ein Wettkampf nur halb so schön. So war es auch mal wieder für mich am vergangenen Sonntag.

Danke Jutta.

8. Radstreckentipp

Wer Lust hat, eine wunderbare Radstrecke von knapp 45 km zu pedalieren, dem sei folgende Strecke ans Herz gelegt. Als Start/Ziel bietet sich das Fährhaus Tatenberg an. Dort kann man sein Auto parken und das Velo startklar machen.

Von dort fährt man an die Tatenberger Schleuse und orientiert sich dort am Deich. Hier kann/darf man dann so richtig in die Pedale treten. Der Wind freut sich über eure Anwesenheit, ebenso die blökenden Schafe auf dem Deich. Nach ungefähr 20 km erreicht man das Zollenspieker Fährhaus. Entweder kehrt man ein, macht kehrt oder biegt ab in den gegenüber beginnenden Kirchenheerweg.

Nach knapp 3 km biegt man dann links ab in den Kirchwerder Hausdeich. Dieser Straße - sie verändert hin und wieder ihren Namen - immer folgen und schon ist man, nach ebenfalls knapp 20 km, zurück am Ausgangsort.

Wunderbare Strecke. Testen!

7. Der Countdown läuft

Die Zeit bis zum Hamburg Triathlon wird immer weniger. Der Countdown läuft. Es sind nicht mehr viele Tage und manch Einer von Ihnen überlegt bestimmt, mache ich genug, wo kann/muss oder darf ich noch zulegen. Letzteres geht natürlich immer.

Wie ich ja bereits geschrieben hatte, ist regelmäßiges Training wichtig. Hat man das bis heute beherzigt, ist der Weg zum fröhlichen Zieleinlauf auf dem Rathausmarkt am 15. oder 16. Juli nicht mehr weit.

Wirft man einen Blick in die weite Welt des Internets und schaut nach Trainingsplänen, vielleicht sogar "last Minute"-Plänen, so bekommt man eine bunte Auswahl von bis. Jeder wird hier etwas finden und kann die letzten knapp vier Wochen noch gut gestalten.

Wichtig ist für mich und den Tipp kann ich nur noch einmal wiederholen, alle drei Disziplinen wenn möglich, einmal die Woche trainieren. Vielleicht die "schwache" Disziplin einmal mehr. Meistens ist das ja das Schwimmen.

Also, Badehose, Schwimmbrille eingepackt und ab ins Wasser. Am besten noch heute. Los geht es!

Bis die Tage!
Lars

6. Kuriositäten unseres geliebten Sports

Teil 1, Schwimmen:

Wie im richtigen Leben, so erlebt man auch im Sport, insbesondere im Dreikampf Triathlon, einige seltsame Dinge. Die Bandbreite geht dabei von komisch, witzig über kurios, verwirrend, bis hin zu, das will man nicht sehen. Steht man am Start und wartet auf den Beginn des unnötigsten Abschnitts Schwimmen, sollte man mal die Blicke nach links und rechts schweifen lassen. Die Altersstrukturen sind interessant, die Ausgeglichenheit  zwischen Männlein und Weiblein wird immer stärker. In der ersten Reihe findet man die "Stars" der Szene, bzw. des Wettkampfs, die sich zumindest zum Teil dafür halten. Hoch aufgerüstet mit dem neuesten Neopren Anzug, so wie der ultraleichtesten Schwimmbrille, warten sie auf das Startsignal und wissen noch nicht, dass sie weit nach dem hageren alten Rentnerpärchen in Reihe drei, welche bereits anno ´82 in Essen beim ersten deutschen Triathlon überhaupt am Start standen, aus dem Wasser steigen werden. Dramatisch irgendwie. Aber auch lustig, denke ich mir in der letzten Reihe, die Schleife meiner Hawaii Schwimmshort nochmal prüfend.

Teil 2, Wechselzone zum Ersten:

Erreicht man die Wechselzone, hat man also das Schwimmen "überlebt", sieht man Sportlerinnen und Sportler, die sich quasi im vorbeilaufen ihr Rad schnappen. Andere wiederum suchen verzweifelt ihren Platz und wieseln aufgeregt hin und her. Mancher vergisst Dinge, wie zum Beispiel den Helm, rennt falsch herum mit seinem Rad, denkt sich dabei, Fahren über die Laufstrecke spart Zeit. Die entspannten trocknen sich erst mal ab, überlegen, ob mit oder ohne zweitem Shirt Rad gefahren werden soll. Gelegentlich werden auch noch schnell die Haare gerichtet. Das ältere Veteranen Pärchen hat noch die Muße die Vereinskameraden links und rechts der Wechselzone zu grüßen und einen kurzen Dialog zu führen.

Teil 3, Radfahren:

Die Radstrecke ist für die Freunde der Radmodell-Geschichte nur zu empfehlen. Man begegnet hier, nicht nur als Zuschauer am Rand, sondern auch als Athlet, all dem, was die Hersteller in den letzten Jahrzehnten produziert haben. Aktuelle sündhaft teure Zeitfahrmaschinen, Rennräder, aller Art, zum Beispiel aus der Eddy Merckx Zeit. Holland Räder inklusive Korb, in welchem sich Trinkflasche, Verpflegung und Handtuch befinden. Stadträder, welche kurz vor dem Start noch gemietet wurden. BMX Modelle oder Mountainbikes. Bisher noch nicht gesichtet, Tandemräder oder E-Bikes. Kommt bestimmt noch. Wie wäre es eigentlich mit Skate- oder Kickboards?

Teil 4, Wechselzone, Part 2:

Nach dem Radfahren geht es flugs zum zweiten Mal durch die Wechselzone. Probleme den Stellplatz seines Rades wiederzufinden, sind auch hier wieder häufig zu beobachten. Ebenso die Versuche, im Laufen den Helm schon mal gen Wechselplatz "vor zu werfen", was die Kampfrichter meistens nicht ganz so lustig finden. Hat man im Gewusel seine Sachen gefunden, heißt es, schnell die Laufschuhe an, sofern nötig, denn Barfußläufer wurden durchaus auch schon gesichtet. Kann man machen, muss man aber nicht. Und auf geht es zur letzten Disziplin.

Teil 5, Laufen und Ziel:

Hier etwas falsch zu machen, ist eigentlich kaum möglich. Eigentlich. Das Equipment geht wieder voneinfach und leicht, bis hin zu unnütz und schwer. Stichwort: Laufgürtel, Marke Patronengürtel, nur das die Patronen Laufgels sind. Dazu noch eine Trinkflasche. Fünf Kilometer Minimum können halt lang werden. Die Startnummer wird auch mal gerne vergessen. Erreicht man dann das Ziel, lächelnd oder kurz vorm Sterben, so wandeln sich die vermeintlichen Profis wieder zu selbigen - die Zielfotos, welche man im Kreis der Familie, Freunde und Kollegen zeigt, sollen ja auch wirken - der Normalo lässt sich feiern, nimmt meistens noch seine drei Kinder in die Hand oder auf den Arm, um mit ihnen durch das Ziel zu laufen, was ich bis heute nicht verstehe. Nehme ja meine Nachbarin oder meinen Postboten auch nicht Huckepack, wenn ich sie per Zufall am Streckenrad entdeckt habe, um sie zu präsentieren! Die eigene Oma und den eigenen Opa auf dem Rücken tragend, würde ich aber echt witzig finden. Die wirklichen Profis sind schon geduscht und fachsimpeln über das Rennen und lauschen den Anekdoten der beiden Oldies, die mal genau erzählen, wie das so war, damals anno ´82 in Essen.

Und irgendwo in diesem ganzen Wahnsinn finde ich mich wieder und denke jedes Mal, was ist diese Sportart doch so wunderbar bekloppt!? Oder?!

Viele Grüße,
Lars

5. Der Kampf gegen die Naturgewalten, oder: ab wann gilt ein Triathlet als Weichei?!

Ja, unsere liebste Sportart findet für gewöhnlich draußen statt. Es kann also warm oder kalt sein, trocken oder nass, Windstille herrschen oder ein "dezentes" Lüftchen wehen. Die Strecke kann flach sein wie ein Brett oder einen über Hügel, Anstiege und gelegentlich Berge führen, wobei die Schwimmstrecke meistens weniger davon betroffen ist.

Frage an dieser Stelle, gibt es vielleicht einen Triathlon bei dem der Schwimmabschnitt zum Beispiel über eine Fischtreppe hinauf führt? Eigentlich auch unwichtig aber durchaus interessant, ob man irgendwo mal "bergauf" schwimmen muss. Die Zuschauer können in Massen an der Strecke stehen - Hamburg Triathlon - oder bei kleineren Wettkämpfen weniger sein, was durchaus auch seinen Reiz hat.

Betreuung durch die unzähligen Helferinnen und Helfer ist, egal wo, immer bestens, denn ohne diese lieben Menschen geht es einfach nicht und wir dürften uns nicht austoben. Die persönliche Ausrüstung ist meistens einen Tag vorher schon vorbereitet. Entweder das Nötigste: Triathlon Einteiler, Rad, Helm, Schuhe oder noch ein paar weitere Dinge, Neoprenanzug, Schwimmbrille, Radschuhe, Sonnenbrille, eigene Verpflegung, Cap, Handtuch, was auch immer man noch so braucht.

All diese Dinge gingen mir durch den Kopf, als ich am vergangenen Sonntagmorgen verschlafen einen Becher Kaffee in der Hand hatte, an der offenen Balkontür lehnte, nach draußen in den strömenden Regen schaute und mir dachte, "ach, so ein Morgen auf dem Sofa ist ja auch nicht schlecht."

Und so beschloss ich nicht in den Stadtpark zu fahren und dort am Triathlon teilzunehmen. Weichei! (Der FC St. Pauli Stadtparktriathlon ist nur zu empfehlen. Immer Anfang Juni und ein wunderbarer Test vor dem Hamburg Triathlon. Toll organisiert.)

Bis die Tage.
Lars

4. Laufen am frühen Morgen...

Früh morgens, kurz nach dem Aufstehen in seine Laufsachen zu schlüpfen und ein wenig zu laufen, ist jetzt im Sommer für mich wunderbar. Die Luft ist klar - die Pollen schlafen noch! Jippie! - es ist noch nicht richtig warm und die Zahl der Läuferinnen und Läufer, die einem begegnen ist übersichtlich. Auch das finde ich bestens, denn ich mag es nicht so sehr im Gewusel meine Trainingskilometer zu machen.

Alle zwei Wochen kann ich morgens vor der Arbeit eine Runde um die Alster laufen und all die genannten Voraussetzungen sind erfüllt. Sehr angenehm. So genieße ich die frische Luft, die Ruhe, schaue den Ruderern auf der Alster beim Trainieren zu, schmunzele über die vielen kleinen Gänse- und Entenküken, die mit ihren Eltern zusammen auf den zahlreichen Wiesen sich den Rasen schmecken lassen, finde es bemerkenswert, aus welch verschiedenen Perspektiven man während der Alsterrunde die Elbphilharmonie sehen kann, denke jedes Mal, verdammt was ist meine Heimatstadt schön und merke, wie ich wach werde. Nicht nur körperlich. Auch mein Geist kommt in Schwung. Bestens. Mindestens ein Becher Kaffee weniger. So muss das sein.

Nach getaner "Arbeit" (ist es für uns begeisterte Triathleten ja nie!) freue ich mich auf die Dusche und meine zwei treuen Begleiter auf Erholung.

Wir bleiben in Kontakt, verehrte Triathlonwelt,
Euer Lars

3. Noch vier Wochen

Ein knapper Monat noch bis zum Hamburg Triathlon Wochenende. Wir alle sind fleißig am trainieren. Alleine oder am besten mit den Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen mit denen man dann zusammen am Start steht und diesen positiven Wahnsinn Triathlon, im Herzen der schönsten Stadt der Welt als Aktiver erleben darf. Die kleinen Defizite in den einzelnen Disziplinen wurden oder werden noch aufgeholt, einige lange Einheiten noch gemacht und so langsam sollte man auch mal an die vierte Disziplin denken. Zu Recht werden Sie jetzt sagen, was meint er?! Sicherlich nicht das leckere Kaltgetränk im Zielbereich zu genießen oder den äußerst leckeren und immer viel zu schnell vergriffenen, Butterkuchen zu essen. Nein, das kriegen Sie sicherlich schon hin.

Der richtige Wechsel zwischen dem Schwimmen und Radfahren, sowie dem Radfahren und  Laufen ist das Stichwort. Das sollte man im Vorwege einmal durchspielen und wissen, was da so passiert oder womöglich schiefgehen kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, einiges. Und selbst nach einigen absolvierten Wettkämpfen geht manchmal immer noch etwas schief. Egal ob nun die Sprint- oder Olympische Distanz auf Sie wartet, planen Sie die Wechsel. Überlegen Sie sich vorher, was Sie brauchen. Spätestens im Teilnehmerheft, welches Sie mit den Startunterlagen erhalten, finden Sie genügend Hinweise.

Legen Sie sich zuhause im Wohnzimmer mal alles parat und spielen den Wechsel durch. Sie müssen jetzt aber nicht in ihren Neo oder Einteiler schlüpfen, kurz duschen und dann klitschnass gen Wohnzimmer sprinten! Bitte nicht! Ebenso wenig sich die Laufschuhe anziehen und in die Küche laufen! Nein, nicht nötig!

Ganz einfach. Stellen Sie sich vor, es ist also der Wettkampftag da. Sie haben gerade eingecheckt, gehen in der Wechselzone am Ballindamm zu Ihrem Startbereich. Rechtzeitig da sein, in Ruhe einen Platz suchen und sich genau merken, wo sich dieser befindet. Nach dem Schwimmen sieht das alles dort ganz anders aus. Sie werden es erleben und mich dann verstehen. Fahrrad am Sattel aufhängen, die gelbe Postkiste links unten abstellen. Die Variante, die ich nun vorstelle, ist die wie ich finde, einfachste. Es gibt zig weitere, jeder erfahrene Triathlet erzählt Ihnen da etwas anderes, was sicherlich auch richtig ist. Packen Sie Ihren Helm vorne auf den Lenker. Mit dem Kinnverschluss kann man ihn dort einfach befestigen. Ebenso Ihr Startnummernband.

In die Postkiste kommen Ihre Laufschuhe, sofern Sie nicht mit diesen auch Radfahren. Dann stellen Sie diese am besten dicht am Vorderrad ab. Links rechts, völlig egal. Falls Sie also Radschuhe haben, diese offen am Vorderrad abstellen. Socken leicht hinein stecken, falls Sie diese benötigen. Damit haben Sie den Rad-Teil schon abgehakt. In der Kiste befinden sich also ihre Laufschuhe. Vielleicht oben drauf ein Laufcap. Durchaus sinnvoll. Spreche da aus Erfahrung. Ein Handtuch ist nicht verkehrt, ruhig dazu packen und vielleicht ein, zwei Energiegels oder Riegel. Nach dem Radfahren ruhig ein bisschen Energie zuzuführen, ist nicht verkehrt. Ebenso am Rad einen Trinkflaschenhalter nebst Flasche anbringen. Mehr als richtig. Und nun ist Ihr Wechselplatz eingerichtet. Der Ablauf ist, denke ich, klar. Schwimmbrille, Badekappe in die Kiste. Socken, Schuhe an, Startnummernband anlegen - wichtig: nach hinten! Helm aufsetzen, Rad nehmen und los.

Rad einhängen, erst dann den Helm abnehmen, Schuhe wechseln, Cap auf, Gels in die Hand, Startnummer nach vorne und los, ab zum Ziel, zum Getränk und Butterkuchen.

Dort darf dann gefeiert werden.

Bis die Tage.
Lars

2. Jetzt nur keine Blöße geben

Eine besondere Eigenschaft, welche wir Triathleten besitzen müssen, um unseren wunderbaren Sport auszuüben, ist die Kunst Dinge ausblenden zu können. Das sind meist äußere Einflüsse, welche man bei den vielen Stunden des Trainings als treue Begleiter an seiner Seite mal mehr, mal weniger zu schätzen weiß.

Sei es zum Beispiel das berühmte "Kacheln zählen" im Schwimmbad, bzw. "geschwommene Bahnen verzählen". In dieser Sache bin ich ganz weit vorne. Überlege immer, ob ich mit einem wasserfesten Stift schwimme und am Ende der Bahn Striche an die Kacheln male. Am Ende bräuchte ich selbige nur zu addieren. Könnten die Bademeister vielleicht nicht so lustig finden. Also, steige ich aus dem Becken und versuche anhand der Uhrzeit, der Anzahl der Menschen im Schwimmbad und den Stand der Sonne zu schätzen, wie viele Bahnen es gewesen seien könnten. Klappt meist nicht, dafür weiß man mal wieder, man hat sich durch was auch immer ablenken lassen. So auch am vergangenen Mittwoch .Aber, wichtig, nur keine Blöße geben, das Training lief natürlich bestens.

Disziplin Nummer Zwei fordert uns während des Wettkampfs meistens sehr. Zumindest was die Anzahl der zu absolvierenden Kilometer angeht. Die Vorbereitung hierfür ist vielleicht am kniffligsten. Das Rad muss technisch einwandfrei sein, spätestens zum Hamburg Triathlon, denn die Kampfrichter am Eingang zur Wechselzone haben es nicht so gerne, wenn z. B. eine Bremse fehlt, die Reifen flau sind oder ein Picknickkorb inklusive Inhalt auf dem Gepäckträger locker montiert ist. Letzteres am besten ganz weg lassen. Klingel geht aber. Habe ich mir sagen lassen. Die Klamotten für den Triathlon-Mittelteil sind eigentlich egal. Was Ihr dürft oder eben nicht, könnt Ihr Euch sicherlich denken, bzw. bekommt Ihr in den Startunterlagen mitgeteilt.

Trainiert man vorher nun, ist eine passende Strecke wichtig. Die Vier- und Marschlande bieten sich hier für mich an, denn diese sind nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Für Jutta und mich eine der schönsten Rad Trainingsreviere in Hamburg überhaupt. Vor kurzem also bei wunderbarem Wetter zusammen eine Zweistündige Fahrt absolviert. Man möchte meinen, außer den wenigen Fahrzeugen, die einem begegnen, wären die äußeren Einflüsse gering. Mitnichten. Christi Himmelfahrt war oder wie man ja weiß: Vatertag.

Horden von (jungen) Männern, die durch die Landschaften zogen, zum Teil dicht an oder eben auf der Straße. Laute Musik - danke, ich will Wolfgang Petry nicht beim Training hören müssen -, zerbröselte Flaschen vor einem, die zu stuntartigen Manövern animierten und gelegentlichen aufmunternden Worten, wie z. B. "...ey digga! Fahr mal schneller!". Danke, sage es dem Gegenwind und bitte nicht weitere Party-Gassenhauer-Beschallung. Habe so eh schon genug zu kämpfen: schnaufe wie eine altersschwache Diesellok, versuche einigermaßen elegant auszusehen und nach außen hin lässig zu wirken, ohne im nächsten Moment entkräftet vom Sattel zu rutschen!

Aber, auch hier gilt am Ende des Tages, nur keine Blöße geben und man ist die Strecke natürlich komplett (!) gefahren. Die zwei Pausen.....nicht erwähnenswert.

Bis die Tage.
Lars

1. Noch 8 Wochen!

Es heißt ja immer so schön, "große Dinge werfen ihre Schatten voraus". An einem Wochenende im Juli 2017 ist dieses "große Ding" der Hamburg Triathlon. Die Schatten von tausenden Sportlern, begeisterten Zuschauern, unzähligen Helfern werden in der City zu sehen sein und für zwei Tage die Stadt in ein Mekka des Triathlonsport verwandeln.

Für die Teilnehmer unter uns, ist es aber noch ein langer Weg dorthin, welcher gemeistert werden will, damit am Ende des Wettkampftag ein Lächeln im Gesicht und die Medaille um den Hals zu sehen ist. Es heißt nun also, Training. Training und wenn man nichts weiter vor hat, richtig: Training. Das heißt allerdings nicht, verehrte Leserschar, dass sie sich in einen Fitnesstempel Ihrer Wahl zwei Monate lang einschließen lassen müssen um rund um die Uhr zu schwimmen, zu radeln oder zu laufen. Mitnichten. Ein gepflegtes Training die Woche ist aber mehr als ratsam und dabei sollten die einzelnen Disziplinen nicht zu kurz kommen.

Sind Sie allerdings Verfechter der These, "wer übt, kann nix", brauchen Sie jetzt nicht unbedingt weiterlesen.

Für mich stand am letzten Freitag also fest, eine Schwimmeinheit tut not. "Open water" ist zur Zeit ja nicht wirklich zu empfehlen, obwohl wir Triathleten ja bekanntlich als harte Hunde gelten. Deswegen, direkt nach Feierabend in die Alsterschwimmhalle gefahren, um zusammen mit Jutta noch ein paar Bahnen zu schwimmen.

Die erste Disziplin ist meistens die nervigste. Keiner liebt sie - welcher von den beiden Erfindern des Triathlon auf das Schwimmen wohl gepocht hat?! Hätte man doch auch weglassen oder durch etwas anderes ersetzen können. Na ja. - und trotzdem machen wir sie. Müssen wir sie machen. Und irgendwie macht es ja auch noch Spaß.

Also, die Zeit nutzen und schwimmen gehen. Man wird Schritt für Schritt besser und fühlt sich wohler. Und so bald das Wetter mitspielt, raus in die Seen. Stadtparkbad zum Beispiel. Man fühlt sich dann am Wettkampftag im Alsterwasser wesentlich besser. Glaubt mir.

Bis die Tage.
Lars