Interview

Wassermessung nach Corona-Pause wieder im Einsatz

1,2 Millionen Wasserzähler in und um Hamburg: Um sie kümmern sich die Teams der Wassermessung. Damit nicht nur unsere Leitungen, sondern auch die Abrechnungen wasserdicht sind, werden sie alle fünf bis sechs Jahre ausgetauscht. Zwölf Wochen musste der Betrieb wegen Corona ruhen. Mittlerweile ist die Wassermessung wieder auf Achse. Wie? Das verrät unser Kollege Thilo Oldörp im Interview.

Thilo Öldorp, Abteilungsleiter Wassermessung bei HAMBURG WASSER

Thilo Oldörp hat 1992 bei HAMBURG WASSER in der technischen Kundenberatung angefangen. Seit zehn Jahren ist er jetzt in der Wassermessung Abteilungsleiter und mit seiner Kollegschaft dafür zuständig, dass rund 1.000 Aufträge pro Tag erledigt werden. Seit Anfang Juni sind die Fachleute wieder unterwegs.

Zählerwechsel

Rund 1,2 Millionen Zähler müssen alle fünf bis sechs Jahre durch die Wassermessung gewechselt werden. Im Jahr kommen so 200.000 Aufträge zusammen, pro Werktag 1.000.

Durch den Austausch der Wasserzähler schaffen die Teams der Wassermessung die Grundlage für eine genaue und rechtsichere Abrechnung.

Herr Oldörp, Sie sind schon eine Weile im Geschäft, aber Corona war auch für Sie eine neue Situation: Wie war das?

Wir haben die Entwicklung der Corona-Pandemie bereits einige Wochen vor Mitte März intensiv verfolgt und entsprechende Maßnahmen festgelegt. Das abrupte Ende des Wechselgeschäfts kam aber auch für uns überraschend.

Was bedeutet das?

Mitte März haben wir den Austausch der Wasserzähler erst einmal ausgesetzt. Die Monteure waren bis Anfang Juni freigestellt. Das ist natürlich eine Belastung, der Kontakt zur Kolleg- und Kundschaft fehlt.

Seit Anfang Juni ist die Abteilung wieder im Einsatz – mit strengen Auflagen.

Richtig. Seit dem 2. Juni haben wir geschult, einen Tag später sind wir schon wieder die ersten Aufträge gefahren.

Wie haben sich die Hausbesuche verändert?

Normalerweise brauchen wir in den Wohnungen drei bis vier Minuten um einen Wasserzähler auszutauschen. Derzeit sind es wohl im Schnitt zwei Minuten mehr: Wenn die Fachleute an der Tür klingeln, haben sie Mundnasenbedeckung und Handschuhe dabei. Im Eingangsbereich reichen ja 1,5 Meter Abstand. Dann folgt eine kurze Belehrung und Abfrage: Also etwa, ob jemand aus dem direkten Umfeld infiziert ist oder grippeähnliche Symptome hat.

Wie sind die ersten Erfahrungen?

Rund die Hälfte der Besuchten verschwindet erst einmal um die eigene Maske zu suchen, die anderen öffnen einfach schon einmal alle Türen zum Wasserzähler und ziehen sich selbst zurück. Insgesamt sind die Reaktionen sehr positiv. Wir punkten durch professionelles Auftreten mit guter Ausrüstung, das schafft Vertrauen.

Es gibt auch Checklisten mit Belehrungen in zehn verschiedenen Sprachen, unter anderem in Russisch und Paschtu, das in Afghanistan gesprochen wird.

Wir müssen zum Schutz aller Beteiligten sichergehen, dass jeder die Hygienevorschriften und Abstandsregeln versteht. In manchen Haushalten geht das nicht in der deutschen Sprache, hier helfen die Übersetzungen.

Wie viele Aufträge können sie mittlerweile wieder erledigen?

Wir sind derzeit bei rund 70 Prozent. Nicht nur die zusätzlichen Informationsgespräche kosten Zeit. Wer den ganzen Tag mit Mundnasenschutz arbeitet, muss auch mehr Pausen machen.