Vielen fehlt ein "stilles Örtchen"

Am 19. November ist Welttoilettentag

Was zunächst nach einem Scherz klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Nach UN-Angaben verfügen weltweit 2,5 Milliarden Menschen über keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Täglich sterben mehr als 6.000 Kinder durch Durchfallerkrankungen auf Grund fehlender oder unzureichender sanitärer Grundversorgung.

Vor diesem Hintergrund rief die Welttoilettenorganisation (WTO), ein Netzwerk von Fachleuten und Organisationen aus mehreren Ländern, erstmals im Jahre 2001 den Welttoilettentag aus. Ziel ist die Verbesserung der Hygienesituation. Von den nationalen Regierungen wird gefordert, mindestens drei Prozent ihrer Ausgaben für Sanitär- und Wasserversorgung aufzuwenden. Von den Vereinten Nationen wird der Vorschlag, den 19. November zum regelmäßigen Jahrestag zu machen, mitgetragen.

Nicht nur der Mangel an Toiletten sondern auch eine unzureichende Kanalisation führen in vielen Ländern zu Umweltproblemen. Fäkalien verunreinigen Flüsse, Grundwasser und den Boden. Hierdurch stecken sich zahlreiche Menschen mit Krankheiten an.

Abwasserentsorgungsverfahren, wie die in den Industriestaaten weit verbreitete Schwemmkanalisation mit den nachgeschalteten mehrstufigen Kläranlagen kommen allerdings für viele wasserarme Entwicklungsländer als flächendeckende Lösung nicht in Frage, da die benötigte Wassermenge nicht zur Verfügung steht. Erforderlich sind vielmehr an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Technologien und Konzepte.

Hamburg Water Cycle: Abwasser als Wertstoff nutzen

In Hamburg besteht kein Wassermangel. Aber auch hier können neuartige Sanitärsysteme helfen, bei gleichem Sanitärkomfort neue Reinigungstechnologien anzuwenden. Ziel ist dabei die Verwendung der im Abwasser enthaltenen Energie und Nährstoffe. HAMBURG WASSER arbeitet deshalb an einem innovativen Entsorgungssystem für die Zukunft: Dem Hamburg Water Cycle (HWC).

Zwischen 2009 und 2013 entstand auf einem ehemaligen Kasernengelände in Hamburg-Jenfeld ein neues Wohn- und Gewerbequartier für rund 2.000 Menschen als offizielles Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA 2013. HAMBURG WASSER hat hier getrennte Abwasserleitungen und Vakuumtoiletten installiert.

Das System beruht auf einer vollkommen neuen Art der Abwasserentsorgung, die jedoch in die bestehende Infrastruktur integriert werden kann. Es trennt die Hauptabwasserströme und kann sie auf diese Weise effizienter behandeln: Toilettenabwasser, genannt Schwarzwasser, wird vom weniger verschmutzten Grauwasser aus Duschen und Waschbecken sowie dem Regenwasser durch zwei Rohrsysteme getrennt. Grau- und Regenwasser werden wie bisher über die Kanalisation ins Klärwerk befördert und behandelt, das Schwarzwasser wird gesammelt und zwischengespeichert. Während Grau- und Regenwasser nach einfacher Behandlung wieder verwendbar sind, können aus dem konzentrierten Schwarzwasser sowohl die enthaltenen Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff als auch die regenerativen Energieträger effizienter als bisher verwertet werden.

Das System ist auf fast jede Großstadt der Welt übertragbar, hat also sowohl ein hohes internationales Problemlösungs- als auch ein großartiges Vermarktungspotential. Man nutzt die zum Teil milliardenschwere Infrastruktur weiter und erzielt dabei trotzdem eine zeitgemäße Behandlung und Verwertung des Abwassers.

Damit ist Hamburg führend an neuen Lösungen beteiligt. Sie kommen den Hamburger Bürgern zu Gute, helfen aber auch die weltweiten schwierigen Probleme bei der Grundversorgung der Menschen zu lösen.

Nicht die Nutzung der Toilette wird sich ändern, sondern die Nutzung der Abwasserstoffe.

Ausführlichere Informationen finden Sie auf der Website des Hamburg Water Cycle.

Wussten Sie schon, dass...

  • ...der Mensch durchschnittlich sechsmal am Tag eine Toilette aufsucht?
  • ...sich die Klotüraufschrift "00" im 19. Jahrhundert ergeben hat? In den Hotels lagen die damals üblichen Etagenklos in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses. Da dort die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die Toilettenräume die Zimmernummer Null bzw. 00.
  • ...sich in japanischen Toiletten häufig ein Otohime (wörtlich "Geräuschprinzessin") findet - ein kleines Gerät, das das Geräusch der Wasserspülung nachahmt, um die besonders von Frauen als peinlich empfundenen Körpergeräusche zu übertönen?
  • ...Papst Julius I. als Schutzpatron der Latrinenreiniger gilt?
  • ...in Singapur jedes Jahr das schönste Klo der Insel gekürt wird?

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