Das Alster-Entlastungsprogramm

Hamburgs innerstädtisches Mischwassersielnetz ist das älteste in Kontinentaleuropa und zugleich das größte Mischwassereinzugsgebiet innerhalb Deutschlands. 1842 begonnen und bis etwa 1910 fertiggestellt, ist dieses Netz auf das Pumpwerk Hafenstraße ausgerichtet. Das 1958 in Betrieb genommenen Hauptpumpwerk ist täglich für den Transport von rund einem Drittel des gesamten Hamburger Abwassers zum Klärwerk Hamburg verantwortlich.

Anfang der 1980er Jahre wurde das Konzept für das Alster-Entlastungsprogramm entwickelt. Es hatte das Ziel, die Mischwasserbelastung der Alster und ihrer Nebengewässer aus dem innerstädtischen Kanalisationsnetz bis 2010 drastisch zu reduzieren.

Im Jahresdurchschnitt sollen bei Regenwetter 90 Prozent der im Kanalnetz transportierten biologisch abbaubaren und absetzbaren Stoffe dem Klärwerk zugeführt und dort behandelt werden.

1998 war das angestrebte Gewässerschutz-Ziel bereits erreicht. Die Investitionen für das gesamte Alster-Entlastungsprogramm betrugen insgesamt rund 500 Millionen Euro.

Rückgrat des Alster-Entlastungskonzeptes war der Neubau von zwei großen Transportsielen. So wurde zwischen 1986 und 1997 in drei Bauabschnitten zunächst das Transportsiel Winterhude errichtet. Es verläuft unterhalb des bestehenden Netzes, hat eine Gesamtlänge von 5,4 Kilometern und weist Querschnitte zwischen 2,40 und 3,50 Metern auf.

Das ab 1999 anschließend gebaute, vier Kilometer lange Transportsiel Alsterdorf schließt an der Deelböge unmittelbar an das Transportsiel Winterhude an. Seine Inbetriebnahme erfolgte 2005.

Diese beiden Transportsiele, auch "Schnellstraßen für Abwasser" genannt, sind mit keinem Gewässer verbunden, entlasten das darüber liegende Sielnetz und bringen die "Schmutzfracht" auf direktem Weg zum Klärwerk Hamburg. Die Aufnahmefähigkeit des Netzes wurde dadurch so weit erhöht, dass Überläufe in Gewässer deutlich seltener auftreten. Die Belastung der Alster und ihrer Nebenkanäle wird somit jährlich um bis zu 440.000 Kubikmeter Mischwasser vermindert.

Durch den Bau von sechs Mischwasser-Rückhaltebecken – jedes mit einem Fassungsvermögen zwischen 7.000 und 22.500 Kubikmetern – sowie einem Speichersiel werden die Wassermengen zwischengespeichert, die die Kanalisation bei starkem Regen nicht mehr aufnehmen kann. Ist das Kanalnetz nach Ende des Regens wieder aufnahmefähig, wird das zwischengespeicherte Wasser zurückgepumpt oder in freiem Gefälle abgelassen.

Diese speziell auf den Schutz der Alstergewässer ausgerichteten Maßnahmen werden seit Ende der 1990er Jahre durch umfangreiche Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten am bestehenden Kanalnetz begleitet. Wo immer es möglich und sinnvoll ist, erhalten die erneuerten Siele größere Querschnitte. Hydraulische Engpässe wurden beseitigt und ein Umbau des Pumpwerks Hafenstraße sorgte für einen niedrigeren Wasserstand im Kanalnetz. Bis 2006 wurde nach und nach ein unterirdischer Stauraum von insgesamt 200.000 Kubikmetern Größe geschaffen.