Das Elbe-Entlastungsprogramm

Die Belastung der Elbe durch – teilweise sogar unbehandeltes – Abwasser aus den südlichen Hamburger Stadtteilen Wilhelmsburg und Harburg war noch bis zu Beginn der 1980er Jahre gravierend. Erst der Bau der Sammler Ost/Harburg (1980) und Wilhelmsburg (1981) sowie ihr Anschluss an den Klärwerksteil Köhlbrandhöft-Süd schuf hier nachhaltige Abhilfe. Der Sammler Harburg entlastet seither die Süderelbe von bis zu 70.000 Kubikmetern Schmutzwasser täglich. Die Probleme in den Bereichen südlich der Elbe sind damit gelöst.

Um die Gewässerbelastung des Nordufers der Elbe aus dem Altonaer Sielnetz zu reduzieren, wurde 1994 das Elbe-Entlastungsprogramm entwickelt. Ziel: Die Mischwasserüberläufe in die Elbe sollten auf 20 Prozent verringert und Verschmutzungen infolge von Regen auf diese Weise vermindert werden. Hauptmaßnahme neben der Beseitigung von hydraulischen Engpässen war die Schaffung von zusätzlichem unterirdischen Speicher- und Stauraumvolumen.

Die Investitionen für das Elbe-Entlastungsprogramm betrugen rund 115 Millionen Euro. 2005 wurden die Arbeiten abgeschlossen.

1995 wurde das acht Kilometer lange "Transportsiel Altona" vom Klärwerk Stellinger Moor mit Unterquerung der Elbe durch einen Düker zum Klärwerk Hamburg gebaut. Mit seiner Fertigstellung 1999 konnte die Kläranlage Stellinger Moor, das die Abwässer bisher klärte, außer Betrieb genommen werden.

Das technisch modernere Klärwerk Hamburg sorgt für eine deutlich höhere biologische Reinigungsleistung des Abwassers – so konnte sich das bisher durch die Stellinger Klärwerksabläufe stark belastete Nordufer der Elbe nachhaltig erholen. Das große Transportsiel Altona verläuft im freien Gefälle und kann an einem einzigen Tag bis zu 180.000 Kubikmeter Abwasser transportieren.

Die ehemalige Ablaufleitung des Klärwerks Stellinger Moor – das seit 1914 existierende Flottbek-Stammsiel – wurde auf einer Länge von rund zwei Kilometern zu einem Speichersiel umgebaut. Legt man die Regenmengen zugrunde, die in Hamburg jährlich fallen, lassen sich die Mischwasserüberläufe aus dem Gebiet Ottensen und Bahrenfeld allein durch diese Baumaßnahme um rund 375.000 Kubikmeter im Jahr reduzieren.

2003 entstand im unterirdischen Vortrieb in Klein Flottbek ein neues, leistungsfähiges Transport- und Speichersiel mit einem Durchmesser von 2,20 Metern. Es verläuft bis zu 26 Meter tief unter dem Wester- und Jenischpark hindurch und erreicht nach einer Strecke von 1.150 Metern das Pumpwerk Hochrad. Im Verbund mit dem neuen Pumpwerk Hochrad und dem neuen Speichersiel Holztwiete nimmt es bei starkem Regen jährlich bis zu 590.000 Kubikmeter Mischwasser auf. Auf diese Weise fließen die besonders verschmutzten Mischwassermengen nicht mehr in die Elbe – sie verbleiben jetzt im Kanalnetz und werden zur Reinigung ins Klärwerk geleitet.

Weitere Maßnahmen des Elbe-Entlastungsprogramms waren die Senkung der Überlaufmenge, -häufigkeit und -dauer sowie der Schmutzkonzentration im Bereich des Altonaer Sielnetzes. Dazu wurden u.a. die Anzahl der Überläufe im Sielnetz um 50 Prozent reduziert. Dieses Konzept bewirkte insgesamt, dass die erste und bei Regenbeginn besonders stark verschmutzte Oberflächenabspülung (zum Beispiel der Straßenschmutz) in deutlich stärkerem Maße als heute über das Sielnetz zum Klärwerksverbund abfließt. Nur noch bei äußerst starkem Regen wird heute Mischwasser in die Elbe eingeleitet, das dann allerdings auch nur noch geringfügig verschmutzt ist. Mit dem Endausbau hat sich die Abwasserbelastung der Elbe aus den Mischwasserüberläufen des Altonaer Sielnetzes auf ein ökologisch und ökonomisch vertretbares Mindestmaß verringert.