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Wasserrecycling: Quartiersteich in Jenfeld füllt sich jetzt mit aufbereitetem Wasser aus Dusche und Co. HAMBURG WASSER zieht Bilanz zum EU Projekt ANCHOR

Gebrauchtes Dusch- und Spülwasser als Beitrag für sommerliche Trockenphasen: Mit dem Abschluss des EU-Projekts ANCHOR in Hamburg stellt HAMBURG WASSER die Weiterentwicklung seiner Grauwasserrecycling-Anlage in Jenfeld vor. Zusätzlich zur Aufbereitung für Bewässerung und Toilettenspülungen eines benachbarten Gewerbeparks, wird seit 2025 auch der Quartiersteich mit aufbereitetem Grauwasser aus Dusche oder Waschbecken, sogenanntem Brauchwasser, gespeist. Rund 20.000 Liter Grauwasser kann die Anlage pro Tag aufbereiten. Das entstehende Brauchwasser stärkt Flora und Fauna und reduziert damit den Bedarf von Trinkwasser zu Bewässerungszwecken vor allem im Sommer.

Franziska Meinzinger, Leiterin Infrastrukturentwicklung HAMBURG WASSER:  ”Längere Trockenphasen werden im Klimawandel wahrscheinlicher, darauf stellen wir uns in ganz Europa ein. Gerade dann, wenn viele Nutzergruppen auf unser Trinkwasser zugreifen, ist ein besonnenen Umgang mit der kostbaren Ressource notwendig. Aufbereitetes Grauwasser kann dabei helfen, den Verbrauch für Anwendungen wie Toilettenspülung oder der Bewässerung zu senken, bei denen nicht unbedingt Trinkwasserqualität gebraucht wird. Ich freue mich, dass wir mit unserem Reallabor in der Jenfelder Au das Grauwasserrecycling auf Quartiersebene aktiv vorantreiben.”

Während Ressourcen weltweit zunehmend unter Druck geraten, wächst auch in Städten der Bedarf an intelligenten Lösungen für den Umgang mit Wasser. Im EU-Forschungsprojekt ANCHOR haben sich Praxispartner aus mehreren europäischen Ländern zusammengeschlossen, um genau solche Lösungen zu entwickeln und im realen Betrieb zu testen. Im Zentrum steht ein grundlegender Perspektivwechsel: Abwasser wird nicht länger nur entsorgt, sondern gezielt als Ressource genutzt.  

Grauwasser im Reallabor der Jenfelder Au 

Eine zentrale Rolle im Projekt spielt das Reallabor in der Hamburger Jenfelder Au. Hier erprobt HAMBURG WASSER mit dem Konzept des HAMBURG WATER Cycles eines der größten Systeme zur sogenannten Stoffstromtrennung in Europa. Das innovative Abwassersystem trennt unterschiedliche Abwasserströme bereits an der Quelle, um sie optimal weiter zu verwerten. Ähnlich wie bei der Mülltrennung werden qualitativ unterschiedliche Wasserströme – Regen-, Grau- und Schwarzwasser – separat gesammelt und behandelt. 

Dabei entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten: So wird Grauwasser – etwa aus Duschen oder Waschmaschinen – aufbereitet und als Brauchwasser wiederverwendet. Mit dem ersten Pilotprojekt GRE‑Y, das durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)  gefördert wird, konnte dieses Prinzip bereits praktisch umgesetzt werden: Zwischen 2.000 und 10.000 Liter Brauchwasser werden pro Tag bedarfsgerecht an den Square Park, einen benachbarten Gewerbehof weitergeleitet. Zusammen mit Regenwasser wird es hier zur Bewässerung von Grünanlagen genutzt, ersetzt Trinkwasser für die Toilettenspülung und schont so wertvolle Grundwasserressourcen. Rund 30 Prozent des täglichen Trinkwasserbedarfs lassen sich durch die Toilettenspülungen allein einsparen.  

Im ANCHOR-Projekt wurde dieses Prinzip jetzt auf den Kühnbachteich ausgeweitet. Seit 2025 wird er mit bis zu 18.000 Litern Brauchwasser pro Tag gespeist. Insgesamt werden in Jenfeld pro Tag 20.000 Liter Grauwasser zu Brauchwasser aufbereitet. Der Quartiersteich dient als naturnaher Regenrückhalt für die Nachbarschaft. In langen Trockenzeiten, die bedingt durch den Klimawandel auch in unserer Region immer extremer ausfallen, sinken die Pegel mit Folgen für Flora und Fauna:  Vier solcher langen Trockenperioden, in denen der Teich über vier Wochen keinen natürlichen Zulauf hatte, gab es in den vergangenen zwei Jahren. Die längste Periode lag bei elf Wochen am Stück. Zuführung von Brauchwasser kann so gerade in sommerlichen Trockenperioden für einen harmonischen Pegel und gesundes Mikroklima im Quartier sorgen. 

Je nach Rahmenbedingungen können solche Konzepte kommunalen Wasserversorgern in ganz Deutschland helfen, etwa bei der Vorbeugung von Nutzungskonflikten. Denn gerade im Falle längerer Trockenzeiten im Sommer steigt der Trinkwasserbedarf phasenweise massiv an. Gut 63 Prozent des häuslichen Wasserbedarfs sind saisonabhängig. Mit der zunehmenden Begrünung der Städte wird die Nachfrage auch in urbanen Quartieren weiter steigen. Aufbereitetes Grauwasser kann ebenso wie zwischengespeichertes Regenwasser dabei helfen, diese Bedarfsspitzen im Sommer abzupuffern.

Über ANCHOR 

Das Projekt ANCHOR (Anthropocene Nutrient and water Control for HOlistic resilience and Recovery) ist Teil des EU‑Förderprogramms Interreg Nordsee. Interreg unterstützt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Regionen, um gemeinsame Herausforderungen – etwa Klimaanpassung und Ressourcenschutz – zu bewältigen. Im Projekt ANCHOR arbeiten Wasserversorger, Städte, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Schweden zusammen, um innovative Lösungen für wasserbewusste Quartiere zu entwickeln und im realen Betrieb zu testen. Dazu gehören mehrere Pilotstandorte, an denen neue Ansätze der Wasserwiederverwendung und Stoffstromtrennung – etwa in Hamburg, Gent, Kerkrade oder Helsingborg – praktisch erprobt und miteinander verglichen werden. Ziel ist es, praxistaugliche Werkzeuge und Erkenntnisse für eine zukunftsfähige, ressourcenschonende Wasserwirtschaft in europäischen Städten zu liefern. 

Weitere Informationen: https://www.interregnorthsea.eu/anchor 

Bildunterschriften und Credits:

“Qartiersteich_Jenfelder…": Naturnaher Regenrückhalt, der für Aufenthaltsqualität sorgt: Um die Pegel des Kühnbachteichs im Zentrum des Quartiers Jenfelder Au stabil zu halten, wird er mit aufbereitetem Grauwasser gespeist (Foto: Jörg Böthling / HAMBURG WASSER)

“Gregor_Rudolph_…": Projektleiter Gregor Rudolph-Schöpping ist zufrieden mit dem Ergebnis der Anlage: Das aufbereitete Grauwasser fließt als Brauchwasser in den Kühnbachteich (Foto: Jörg Böthling / HAMBURG WASSER)

Downloads

Qartiersteich_Jenfelder_Au1_res

Gregor_Rudolph-Schoepping_mit_aufbereritetem_Grauwasser

Kontakt für Medien

Ole Braukmann

Billhorner Deich 2

20539 Hamburg

E-Mail: presse@hamburgwasser.de

Portrait Ole Braukmann, Pressesprecher HAMBURG WASSER
Ole Braukmann

Pressesprecher