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So funktioniert das Klärwerk Hamburg

Deutschlands größte kommunale Kläranlage steht in Hamburg. So wird hier Abwasser gereinigt und dabei noch ordentlich Energie gewonnen.

Erst rausfischen, dann säubern und vorklären Mechanische Reinigung

Die mechanische Reinigung beginnt im Rechen, der grobe Feststoffe wie Klopapier herausfischt. Danach lagern sich im Sandfang bei geringer Fließgeschwindigkeit neben Sand und Kies auch organische Partikel ab.

Aus dem Abwasser filtern wir jährlich rund 6.500 Tonnen Rechengut sowie 3.000 Tonnen Sand und andere Feststoffe.

Das verbleibende Abwasser durchläuft verschiedene Vorklärbecken. Hier sinken weitere feine organische Stoffe zum Boden, leichte Plastikteile und Öle werden abgeschöpft. Während der gesäuberte Sand als späterer Baustoff dient, wird das organische Material als Schlamm weiter behandelt. Am Ende der mechanischen Reinigung sind bis zu einem Drittel der Schmutzstoffe entfernt.

 

Das Wasser in den Becken der Biologischen Reinigung ist ruhig und ein blauer Himmel spiegelt sich darin. Sie sind rechteckig angeordnet und abgegrenzt durch eine Betoneinlassung. Über Brücken sind sie außerdem einsehbar. Im Hintergrund der Becken sieht man eine große Haube und die Faultürme, die wie Eier aussehen.
Mikroskopisch kleine Helfer: Mikroorganismen nehmen Schadstoffe bei der biologischen Reinigung auf (Foto: Krafft Angerer / HW)

33 Badewannen – so viel Abwasser erreicht unser Klärwerk durchschnittlich pro Sekunde. Wenn es regnet, sind es eher drei Mal so viel.

Natürlich belebt und gereinigt Biologische Reinigung

In der biologischen zweiten Reinigungsstufe geht es Schadstoffen wie Schwermetallen an den Kragen. Dafür versorgen wir Mikroorganismen mit Sauerstoff. Die belebten Kleinstlebewesen nehmen gelöste organische Stoffe als Nahrung auf und binden dabei auch Schadstoffe. Viele von ihnen bilden Kolonien und setzen sich als sichtbare Schlammflocken gemeinsam auf dem Boden ab.

 Die Grafik zeigt den Weg des Abwassers vom Zuhause unter der Elbe zu unserem Klärwerk. Das Abwasser ist in einem dunklen Orange dargestellt, in der mechanischen Reinigung wird unter anderem Sand aus dem Abwasser entfernt. Im nächsten Schritt, der biologischen Reinigung entsteht Klärschlamm, der sich auch in den Becken der Nachklärung absetzt. Nach diesem Prozess ist das Abwasser so gereinigt, dass es in die Elbe eingeleitet werden kann. Im Klärschlamm steckt noch viel Energie: Er läuft in die Faulung, dort setzt sich der dicke Schlamm unten ab, Methan entwicht nach oben und wird zu Biogas aufbereitet. Der dicke Schlamm wiederum wird getrocknet und verbrannt und erzeugt so Strom und Wärme. Aus der Asche, die dabei entsteht, wird in einem letzten Schritt Phosphor erzeugt.
Reinigung und Schlammverwertung: So funktioniert das Klärwerk Hamburg (Grafik: Pia Bublies / HW)

In der Nachklärung, der dritten Reinigungsstufe, werden auch chemische Stoffe wie Stickstoff- und Phosphorverbindungen ausgefällt. Sie setzen sich als Schlamm ab und gelangen weiter in unsere Faultürme. Danach ist das Abwasser umweltgerecht gereinigt, gelangt über den Köhlbrand wieder in die Elbe und nimmt wieder am großen Wasserkreislauf teil.

Aus rund 350.000 Kubikmetern Abwasser werden täglich... Was am Ende übrig bleibt

4,000  Kubikmeter

Klärschlamm

105,000  Kubikmeter

Faulgas

43  Kubikmeter

Klärschlammasche

Aus Faulgas wird Biogas Kraftwerk Klärwerk

Sie gehören zum Hafenbild wie Ladekräne und Containerschiffe: In zehn eiförmigen Faultürmen mit insgesamt 80.000 Kubikmetern Fassungsvermögen fault der Klärschlamm bei ständiger Umwälzung und unter Luftabschluss aus. Auf Deutschlands größtem kommunalen Klärwerk entstehen rund 4.000 Kubikmeter Klärschlamm täglich, der knapp 20 Tage in den Türmen lagert.

Die Faulbehälter sehen aus wie große silberne Eier. Auf der Oberseite sind sie durch Brücken verbunden. Im Hintergrund sind Kräne zu sehen, man versteht, dass dieses Bild im Hamburger Hafen aufgenommen wurde.
Blickfang vom anderen Elbufer: In den Faulbehältern wird aus Klärschlamm Faulgas (Foto: Ulrich Perrey / HW)

Das entstehende Faulgas nutzen wir als Energiequelle. Wir wandeln es über Generatoren in Strom für den Anlagenbetrieb um und bereiten es zu Biogas auf, das wir ins städtische Netz einspeisen können. Jeden Tag erzeugen wir so klimaneutrale und regionale Wärmeenergie für rechnerisch rund 5.700 Hamburger Haushalte.

Trockener Schlamm wird verbrannt

Der ausgefaulte Schlamm wird in unserer Verwertungsanlage VERA verbrannt. Das erzeugt rund 89.000 Megawattstunden Strom im Jahr. Einen Teil der Energie benötigen wir für den Betrieb der Kläranlage, der Rest wird ins Hamburger Netz eingespeist.

Info

HAMBURG WASSER als Dienstleister

Neben Hamburger Klärschlamm behandeln wir jährlich rund 200.000 Tonnen Schlämme aus umliegenden Kommunen und Betrieben. In unserer Klärschlammverbrennungsanlage verwerten wir zudem jährlich rund 35.000 Tonnen entwässerte Fremdschlämme.

Der Dampf aus der Klärschlammverbrennung dient zudem zur Schlammtrocknung. Und mit der Abwärme aus der Trocknung heizen wir wiederum das Klärwerksgebäude und den benachbarten Containerterminal der Hamburger Hafen und Logistik GmbH (HHLA).

Energieautark bis 2030

Dank Wind, Sonne, Klärschlamm und Faulgas können wir längst nicht nur unser Klärwerk mit eigenen regenerativen Energien betreiben. Bis 2030 wollen wir regenerativ Energieautark werden – und dann so viel Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren, wie wir unternehmensweit verbrauchen.

Rohstoffquelle Klärschlammasche

Zu sehen ist ein weißes Phosphor-Pulver, das grafisch in der Form unserer Faultürme maskiert ist.

Pro Tag entstehen rund 65 Tonnen Klärschlammasche. Diese Asche ist eine wertvolle Rohstoffquelle. Täglich gewinnen wir hier etwa neun Tonnen Gips für die Bauindustrie.

Neben Eisen- und Aluminiumsalzen enthalten die Verbrennungsrückstände auch den lebenswichtigen Mineralstoff Phosphor. In einer weltweit einzigartigen Phosphor-Recycling-Anlage wollen wir in Zukunft jährlich 7.000 Tonnen hochreine Phosphorsäure für den Rohstoffmarkt gewinnen – und sind damit als Abwasserentsorger bundesweit Vorreiter.

Führungen über das Klärwerk Hamburg Hautnah erleben

Wie Abwasser wieder sauber wird.

Noch einmal ein Blick auf unsere Faultürme, diesmal aus der Froschperspektive Perspektive: Vorne sind blühende Wildblumen, im Hintergrund die silbernen "Eier".
Bei einem Rundgang über die Kläranlage erfahren Sie, wie Abwasser in Hamburg gereinigt wird (Foto: Ulrich Perrey / HW)

Wohin verschwindet eigentlich das Abwasser und was passiert damit? Besuchen Sie das Klärwerk Hamburg und erleben Sie praxisnah, wie über verschiedene Reinigungsstufen das Abwasser wieder sauber wird – und dabei zusätzlich Energie für Hamburg entsteht.