Der Funke sprang Anfang der 1970er-Jahre über: Da arbeitete Rainer Funke als Segellehrer auf der Alster. Doch das, was er sah, wenn er über die Reling schaute, überzeugte den späteren Geschäftsführer der Hamburger Stadtentwässerung (HSE) nicht: "Das Wasser war so verdreckt, dass man sich gegen Typhus impfte. Man hatte Angst, krank zu werden“, erinnerte er sich kurz vor seinem Ruhestand 2004 im Hamburger Abendblatt. Dort verkündete der Mann, der Umweltschutz zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte, nicht ohne Stolz: „Wir haben den Hamburgern ihre Gewässer und Ufer gegeben.“
Am 18. Februar dieses Jahres ist Rainer Funke im Alter von 85 Jahren gestorben. Er hinterlässt ein in ganz Hamburg sichtbares Vermächtnis: eine saubere Alster, ein leistungsfähiges Kanalnetz und ein hohes Niveau im Gewässerschutz, das bis heute Bestand hat. HAMBURG WASSER wird sein Wirken in großer Dankbarkeit und Anerkennung in Erinnerung behalten. Unser ganzes Mitgefühl gilt seinen nächsten Angehörigen.
Lebensaufgabe Umweltschutz
„Rainer Funke war einer der Väter der Hamburger Gewässerschutzprogramme und hat zentrale ökologische Fortschritte unserer Stadt möglich gemacht. Unter seiner Verantwortung wurde unser Sielnetz um zahlreiche neue Abwasserautobahnen ergänzt und damit die Belastung von Alster und Elbe erheblich reduziert. Diese Programme gelten bis heute als Meilensteine des städtischen Gewässerschutzes. Ich habe ihn als klugen, weitsichtigen und zugleich sehr nahbaren Kollegen erlebt. Die gemeinsame Zeit hat mich geprägt, und ich bin dankbar, dass ich mit ihm arbeiten durfte“, sagt HAMBURG WASSER-Geschäftsführer Michael Beckereit.
Rainer Funke fuhr zunächst zur See, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nachholte und anschließend Jura und Politologie studierte. Um sein Studium finanzieren und gleichzeitig seine Familie ernähren zu können, arbeitete er unter anderem als Hafenarbeiter. Nach seinem Examen folgten Verwaltungstätigkeiten im Baurechtsamt, in der Senatskanzlei und im Bezirksamt.
Von Anfang an dabei
Als Ende der 70er-Jahre die Umweltbehörde gegründet wurde, war Funke von Anfang an dabei, zunächst in der Leitstelle Umweltschutz, danach im Amt für Genehmigungen und schließlich als Amtsleiter für Gewässer- und Bodenschutz. Alster und Elbe gehörten damals zu den schmutzigsten Flüssen Europas. Anfang der 80er-Jahre ging das umfangreiche Alster-Entlastungs-Programm zur Reduzierung von Mischwasserüberläufen in die Gewässer an den Start, Anfang der 90er-Jahre folgte das Entlastungsprogramm für die Elbe.
1992 übernahm Funke die Leitung der Stadtentwässerung. Unter seiner Führung wurde die Stadtentwässerung aus der Behördenstruktur der damaligen Hamburger Umweltbehörde herausgelöst und wandelte sich zu einem serviceorientierten, bürgernahen Unternehmen. Funke trieb die wirtschaftliche Weiterentwicklung konsequent voran und stärkte insbesondere den Bereich externer Dienstleistungen, um zusätzliche Deckungsbeiträge für das kommunale Kerngeschäft zu erwirtschaften.
Auch strukturell entwickelte sich die HSE unter seiner Führung weiter. Funke begleitete den Übergang in die spätere Verbundstruktur HAMBURG WASSER und trug damit dazu bei, den Grundstein für das heutige, wirtschaftlich starke kommunale Unternehmen HAMBURG WASSER zu legen, das Wasserversorgung und Abwasserentsorgung unter einem Dach vereint. Er trat 2005 in den Ruhestand.