Zum Seiteninhalt springen
SYMBOLBILD Wasserrecycling in Jenfeld.

Kann weg? Nee! Hamburg erprobt Wasserrecycling

In Jenfeld laufen Toilettenspülungen und Rasensprenger bald mit Brauchwasser aus Spüle, Waschmaschine und Dusche. Wieviel Trinkwasser wird dabei eingespart?

Autor des Inhalts: HAMBURG WASSER. Datum der Veröffentlichung:

Was passiert mit dem frischen Trinkwasser, dass Sie zum Duschen oder Waschen ihrer Kleider nutzen? Normalerweise läuft es zusammen mit dem Abwasser aus dem Klo, sogenanntem Schwarzwasser, und Regenwasser in die Kanalisation. Im Klärwerk wird es dann gereinigt und ins Gewässer entlassen, in Hamburg in die Elbe. Nicht so im Quartier Jenfelder Au, in dem wir neue Formen der Abwassertrennung ausprobieren.

In den Haushalten in der Jenfelder Au wird Grauwasser vom Schwarzwasser getrennt und gesondert in einer Aufbereitungsanlage behandelt. Weil es nicht mit Fäkalien in Berührung kommt, ist es vergleichsweise gering verschmutzt. Trotzdem enthält es natürlich Schadstoffe, die entfernt werden müssen: Spuren von Diclofenac zum Beispiel, einem medizinischen Wirkstoff der unter anderem in Schmerzgels verwendet wird, Phosphate, Tenside oder Mikroplastik, die etwa über Reinigungsmittel ins Abwasser gelangen.

So wird Grauwasser Brauchwasser

Um das Grauwasser zu reinigen, nutzen wir eine zweistufige Aufbereitung: In der ersten Stufe klären wir das Abwasser mit einer biologischen Behandlung mit einem Festbettbioreaktor. Dort bildet sich Schlamm, in dem Mikroorganismen Schmutzstoffe entfernten. Anschließend gelangt das Wasser in eine Spezialfilteranlage mit Ultrafiltrationsmembran, in der die noch verbliebenen Mikroschadstoffe entfernt werden.

Übrig bleibt Wasser, das zwar kein Trinkwasser ist, aber das alle Anforderungen an Brauchwasser erfüllt und bedenkenlos genutzt werden kann, um beispielsweise den Spülkasten einer Toilette zu befüllen oder um eine Grünfläche zu wässern. 

Das Brauchwasser geben wir an den benachbarten Gewerbehof weiter. Hier wird es in einer Zisterne zwischengespeichert, die auch überschüssiges Regenwasser sammelt. Ziel ist es, in erster Linie das Regenwasser vor Ort wiederzuverwenden, daher erproben wir im Projekt ein Modul, das Regenwasser bei der Nutzung Vorrang gewährt. Die Steuerungstechnik erkennt, wenn der Zustrom von Regenwasser nachlässt und schaltet ab einer bestimmten Füllmenge auf Grauwasser um.

Wieviel Trinkwasser wird eingespart?

Allein die Toilettenspülung macht rund 27 Prozent des täglichen Trinkwasserverbrauchs aus, hinzu kommt die Ersparnis des Trinkwassers, das ansonsten für die Gartenbewässerung genutzt würde.

Portrait Ingo Hannemann, techn. Geschäftsführer HAMBURG WASSER
Ingo Hannemann (Kristina Steiner / HW)

Je nach Rahmenbedingungen können solche Konzepte kommunalen Wasserversorgern in ganz Deutschland helfen, etwa bei der Vorbeugung von Nutzungskonflikten. Denn gerade im Falle längerer Trockenzeiten im Sommer steigt der Trinkwasserbedarf phasenweise massiv an. "Gut 63 Prozent des häuslichen Wasserbedarfs sind saisonabhängig", erklärt unser technischer Geschäftsführer Ingo Hannemann. Mit der Zunahme an begrünten Dächern und Fassaden in der Stadt wird die Nachfrage im Sommer weiter ansteigen, der Druck auf Versorgungssysteme und Grundwasserressourcen steigt.

Das Projekt GRE-Y ist deutschlandweit das erste Projekt, in dem ein städtisches Wasserunternehmen mit einem privaten Gewerbeparkbetreiber ein kombiniertes Regen- und Grauwasserrecycling umsetzt.  Es ist zunächst auf fünf Jahre angelegt und wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Die Ergebnisse teilen wir mit der Wasser- und der Wohnungswirtschaft, um ihre Übertragbarkeit und mögliche Skalierungseffekte bestmöglich abzuschätzen. Ingo Hannemann: „Das Wasserrecycling könnte sich als Kernelement für die wassersensible Stadtentwicklung der Zukunft entwickeln – nicht nur in Hamburg.“

Förderung

Die  DBU fördert dem Stiftungsauftrag und dem Leitbild entsprechend innovative, modellhafte und lösungsorientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft. Das Projekt GRE:Y wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert. 

Abwasser neu denken HAMBURG WATER Cycle

SYMBOLBILD Wasserrecycling in Jenfeld.
Das Quartier Jenfelder Au (Foto: Ulrich Perrey / HW)

Mit dem HAMBURG WATER Cycle entwickeln wir seit 2005 einen Baustein im klimaresilienten, urbanen Wasserkreislauf: die konsequente Trennung der Stoffströme für eine kreislauforientierte Abwasserwirtschaft. Wie Grauwasser, Schwarzwasser und Regenwasser im Quartier im Kreislauf gehalten werden können?

Weitere Artikel zum Thema

Unser Wasser ist wertvoll

Deshalb haben wir es uns mit der Umweltbehörde zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein der Hamburger:innen für den sorgsamen Umgang mit Trinkwasser zu stärken.

Zur Kampagne

Wird das Wasser knapp?

Schlagzeilen über trockene Flussbette und ausgeschöpfte Trinkwasserreserven erscheinen immer häufiger. Unser Wasserreport wirft einen Blick auf Daten und Fakten.

Antworten auf häufige Fragen

Weitere Artikel zum Thema

Ein lebendiges Fenster in die Vergangenheit

In der Nordheide wird ein alter Wald von HAMBURG WASSER Teil eines neuen Naturschutzgebietes. Der Krattwald und ein ihn umgebender Schutzwall geben Einblicke, wie Wälder und Heide vor mehr als 250 Jahren genutzt wurden. Überlieferungen zufolge diente der historische Wald den Anwohnern auch als sogenannter Thingplatz für Gerichtsversammlungen.

Artikel lesen

Kooperationen mit der Landwirtschaft

Die Grundwasserförderung für die Trinkwasserversorgung erfolgt vielfach in Regionen, deren Flächennutzung maßgeblich von Land- und Forstwirtschaft geprägt ist. Dieses Nebeneinander erfordert ein enges Miteinander, um die natürliche Ressource Grundwasser langfristig vor belastenden Einträgen zu schützen.

Artikel lesen

Mehr Trinkbrunnen für Hamburg

Neuer Trinkbrunnen in Harburg: Durstlöschen auf dem Seeveplatz.

Artikel lesen