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ANCHOR: Grauwasserrecycling in Europa

Grauwasser für den Quartiersteich oder das Schwimmbad: Immer mehr Pilotquartiere in Europa setzen auf Stoffstromtrennung. Im EU-Interreg Projekt ANCHOR kooperieren fünf von ihnen. Mit dabei ist auch die Jenfelder Au in Hamburg.

Autor des Inhalts: HAMBURG WASSER. Datum der Veröffentlichung:

Stellen Sie sich vor, Grauwasser aus Dusche und Co. fließt keinen langen Weg zum Klärwerk, sondern wird lokal gereinigt und kann dort genutzt werden: So wird es derzeit unter anderem im Hamburger Stadtteil Jenfelder Au erprobt. Wenn alles klappt, wird hier in den kommenden Jahren das erste Mal aufbereitetes Grauwasser als Servicewasser in den Quartiersteich fließen und so in sommerlichen Trockenperioden für einen harmonischen Pegel und gesundes Mikroklima sorgen.

Das grundlegende Prinzip dahinter heißt Stoffstromtrennung – und ist bisher vor allem aus dem Bereich der Mülltrennung bekannt. Abwässer, die sonst durch ein Rohr durch die Stadt zum Klärwerk fließen, werden stattdessen an der Quelle in verschiedenen Systemen getrennt erfasst und verwertet: Regenwasser, Grauwasser aus Dusche und Co. und Schwarzwasser aus der Toilette.

Die Jenfelder Au und der HAMBURG WATER Cycle

Luftbild des Wohnquartiers Jenfelder Au
Der Teich im Quartier Jenfelder Au sorgt nicht nur für Aufenthaltsqualität, um die Pegel auch bei Trockenzeiten im Sommer hoch zu halten, wird jetzt aufbereitetes Grauwasser getestet (Foto: Ulli Perrey / HW)

Auf einem ehemaligen Militärgelände wurde vor über zehn Jahren das Projekt Jenfelder Au begonnen. Heute sind rund 800 Haushalte an den HAMBURG WATER Cycle angeschlossen, der den neuen Stoffkreislauf in der Hansestadt erprobt. Als Beispiel für wassersensible städtische Entwicklungen, die sich harmonisch in die Umwelt einfügt, dient das Quartier nicht nur im ANCHOR-Projekt als Demonstrationsobjekt.

Pilotprojekte in ganz Nordeuropa

Im Projekt „ANCHOR“ haben sich Wasserversorger aus vier europäischen Ländern mit ihrem Pilotquartieren zusammengeschlossen: Neben Deutschland sind auch Schweden, Belgien und die Niederlande dabei.

Gemeinsam wollen sie an der Zukunft solcher wassersensiblen Quartiere arbeiten. Die Daten der Pilotprojekte sollen dazu miteinander verglichen werden: Gemeinsam wollen die Partner damit eine solide Datenbasis für diese Art von Stoffstromsystemen schaffen. Außerdem werden Erfahrungen im Betrieb der Anlagen ausgetauscht und Werkzeuge für den Wissenstransfer erarbeitet. Damit aus den Zukunftsvisionen am Ende Erfolge werden, arbeiten die verschiedenen Projekte aus ANCHOR dabei auch intensiv mit relevanten Interessengruppen zusammen.

Arbeitsschwerpunkte des Projekts im Überblick

Städtische Wasserwiederverwendung

ANCHOR erforscht innovative Ansätze zur Wiederverwendung von Wasser in städtischen Gebieten für einen bewussten Umgang mit Trinkwasser. So soll das aufbereitete Grauwasser in Schweden in ein Schwimmbad fließen, in Hamburg wird damit bei Niedrigwasser der Quartiersteich gespeist.

Anpassungsfähigkeit städtischer Wassersysteme

Überprüft werden soll, ob die Annahme stimmt, dass solche neuen urbanen Wassersysteme widerstandsfähiger gegenüber Umweltauswirkungen sind. Dabei sollen die Systeme sowohl auf Extremwetterereignisse wie Starkregen und Trockenperioden reagieren können als auch auf neue Herausforderungen mit umweltschädlichen Spurenstoffen wie Mikroplastik.

Governance und sozioökonomische Analyse

ANCHOR betrachtet nicht nur technische Aspekte: Auch sozioökonomische Zusammenhänge und andere Werte wie positive Auswirkungen auf das Mikroklima, Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung und lebendige Nachbarschaften in wassersensiblen Quartieren werden in den Blick genommen. Außerdem werden fördernde und hemmende rechtliche Strukturen analysiert.

Skalierung

Durch die Aufbereitung von Wissen über die Entwicklung und Implementierung von praxiserprobten Lösungen strebt ANCHOR an, innovative Ansätze weiter zu verbreiten und gezielt mit Interessensgruppen in den Austausch zu treten

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