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Eine alte Brücke an der Alster, in der Mauer ist ein Tor eingelassen über dem Dampfbootwartezimmer steht

Was steckt hinter dieser Tür?

Industriedenkmal direkt an der Alster: Als die 1868 Lombardsbrücke entsteht, wird die Abwasserentsorgung gleich mitgedacht. Es entsteht ein Düker mit imposantem Einstieg, der zeitweise auch als Wartezimmer für Dampfboote genutzt wurde.

Diesen Ort kennt wohl kaum jemand: Direkt unter der Lombardsbrücke, einer der meistbefahrenen Brücken der Stadt, versteckt sich ein historisches Bauwerk zur Abwasserentsorgung. Oben fließt der Verkehr, unten das Abwasser. Zur langen Nacht des Museums wurde der Düker nebst Dampfbootzimmer jetzt für eine Besichtigung geöffnet. 

Info

Abwasser auf Umwegen

Wenn Flüsse, Kanäle oder Bauwerke im Weg sind, müssen unsere Kanäle einen Umweg nehmen. Dann wird ein Düker gebaut, der Abwasser unter dem Hindernis hindurchführt.

Der Düker unter der Lombardsbrücke wurde mit der steinernen Brücke 1868 vorrausschauend mit errichtet. Er ist Teil des historischen Hamburger Sielnetzes, das nach dem Großen Brand von 1842 entstand. Geplant wurde das System damals vom britischen Ingenieur William Lindley, der Hamburgs Infrastruktur grundlegend erneuerte.

Randgebiete werden an das Sielnetz angeschlossen

Der Düker führte Abwasser und Regenwasser unter der Alster hindurch und verband damit zwei große Entwässerungsstränge miteinander: Das Sielsystem der Innenstadt mit den damaligen Randgebieten der Stadt, im Osten das wenige Jahre später errichtete Geeststammsiel, das heute mit 4,5 Kilometern Länge noch immer in Betrieb ist und bald in Teilen saniert werden wird. 

Blick in einen tiefen Schacht in dem mehrere mit Ziegelsteinen gemauerte Kanäle zusammenlaufen.
Hier floss einst Abwasser: Der gemauerte Düker unter der Lombardsbrücke verband die Innenstadt mit den damaligen Randgebieten (Foto: Thomas Ebert / HW)

Technisch ist der Düker ein gemauerter Kanal aus Ziegeln. Ein handbetriebenes Stau-Tor regelte früher den Wasserfluss. 1994 wurde der historische Düker durch einen modernen Neubau ersetzt und außer Betrieb genommen, sein Inneres blieb jedoch erhalten und wurde teilweise restauriert.

Eine alte Kurbel im inneren des Schachts, die nach unten mit dem Tor verbunden ist.
Schotten dicht: Mit dieser Kurbel konnte das Stautor geschlossen werden. Sie wurde bei der Stilllegung restauriert (Foto: Thomas Ebert / HW)

Schotten dicht: Mit dieser Kurbel konnte das Abwasser damals gestaut werden.

Zweitnutzung als Wartezimmer

Der Bau des Dükers und der Brücke fiel zusammen mit dem Start des regelmäßigen Linienverkehrs von Dampfschiffen auf der Alster. 

Eine alte Tür im Sandstein eingelassen, über der Dampfbootwartezimmer steht
Warten auf eine Ausfahrt auf der Alster: Zwischenzeitlich diente der Einstieg zum Düker als Wartezimmer für Fahrten mit dem Dampfboot (Foto: Thomas Ebert)

Ab 1859 fuhren die ersten Alsterdampfer. Da kam der Einstieg zum Düker ganz legen: Er diente zeitweise auch als Wartezimmer für die Dampfschifffahrt. Daher der Name „Dampfbootwartezimmer“, der in großen Lettern über dem Einstieg thront.

Rückgrat der Hamburger Abwasserentsorgung ALTES BEWAHREN

Unterirdische Kanäle, die 3 Meter hoch ragen laufen hier zusammen
Hier läuft das Abwasser der Innenstadt zusammen: Die Sielzusammenführung unter dem Pumpwerk Hafenstraße (Foto: Krafft Angerer / HW)

Der alte Düker unter der Lombardsbrücke ist mittlerweile durch einen Neubau ersetzt wurden. Das Geeststammsiel und große Teile des Sielsystems der Innenstadt sind noch in Betrieb. Als unsere „Alten Riesen“ bilden sie das Rückgrat der Hamburger Abwasserentsorgung. Ein Teil dieser historischen Ingenieurkunst wird daher aktuell aufwendig saniert. 

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