Der ikonische Wasserträger Hans Hummel ist als Hamburger Original bis heute bekannt. Was nur wenige wissen: Statt Hans müssten wir uns eigentlich an Hanna erinnern. Denn der Beruf des Wassertragens wurde historisch überwiegend von Frauen ausgeübt. Mit schweren Holzeimern an einem Joch versorgten sie die Stadt bis ins 19. Jahrhundert hinein – unverzichtbar, aber kaum sichtbar.
Info
Weltwassertag
Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März veranstaltet. Er wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung von Wasser als lebenswichtige Ressource und auf die globalen Herausforderungen in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung aufmerksam zu machen. In diesem Jahr ist das Motto "Wasser und Gender".
Zum Weltwassertag 2026 mit dem Motto „Wasser und Geschlecht“ gehen wir dieser Geschichte einmal auf den Grund und machen die zentrale Rolle von Frauen in der Wasserversorgung sichtbar, früher wie heute. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank und HW-Geschäftsführer Michael Beckereit haben eine entsprechende Ausstellung dazu heute im Kundencenter eröffnet.
Dürfen wir vorstellen: Hanna Hummel
Dort steht seit Ende vergangener Woche die Figur der Wasserträgerin Mutter Blohm, der wir in Anlehnung an ihren bekannten männlichen Gegenpart den Spitznamen Hanna Hummel gegeben haben. Blohm hatte rund um den Fischmarkt viele Kunden, die sie mit Wasser versorgte.
Im Gegensatz zu dem griesgrämigen Hummel soll sie in jeder Hinsicht freundlich und gelassen gewesen sein. Trotz der schweren Aufgabe arbeitete sie mit unerschütterlicher Ruhe und einem gewissen Humor. Auf die Frage „Na, wie geiht’s, Mutter Blohm?“ antwortete sie stets: „Langsam un wiß!“ – langsam, aber sicher.
Weibliche Perspektive mitdenken
"Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht – doch weltweit tragen vor allem Frauen und Mädchen die Last, wenn es fehlt“, betonte Senatorin Fegebank bei der Eröffnung. „Umso wichtiger ist es, weibliche Perspektiven in der Wasserwirtschaft zu stärken.“
„Heute tragen Frauen als Handwerkerinnen, Technikerinnen und Ingenieurinnen maßgeblich dazu bei, dass Hamburg zuverlässig mit Wasser versorgt wird“, ergänzte Michael Beckereit: „Dennoch wissen wir, dass das Geschlechterverhältnis in vielen Bereichen unserer Branche noch nicht ausgewogen ist.“ Umso wichtiger sei es, Frauen gezielt zu fördern und ihre Leistungen sichtbar zu machen, so Beckereit. Dafür organisiert HAMBURG WASSER Nachwuchstreffen für junge Fachkräfte, interne sowie unternehmensübergreifende Vernetzungsformate und engagiert sich im Rahmen internationaler Betreiberpartnerschaften auch weltweit für Geschlechtergerechtigkeit.
Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht – doch weltweit tragen vor allem Frauen und Mädchen die Last, wenn es fehlt. Umso wichtiger ist es, weibliche Perspektiven in der Wasserwirtschaft zu stärken.Katharina Fegebank
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin
Ausstellung zum Weltwassertag
Die Ausstellung „Hanna Hummel: Unsichtbare Heldin der Wasserversorgung“ kann bis 20. März im Kundencenter (Ballindamm 1) besucht werden. Am Weltwassertag selbst, dem 22. März, öffnet das Wasserforum seine Türen und zeigt die Ausstellung von 11 bis 16 Uhr.
Häufige Fragen
Die Wasserträgerinnen Hamburgs waren über Jahrhunderte unverzichtbar für die Versorgung der Stadt – und doch blieben sie nahezu unsichtbar. Während viele von ihnen namenlos arbeiteten, wurde ein einzelner Wasserträger zum Hamburger Original: Johann Wilhelm Bentz, besser bekannt als Hans Hummel.
Der Überlieferung nach war Bentz ein eher mürrischer Zeitgenosse. Kinder riefen ihm spöttisch „Hummel, Hummel!“ hinterher, worauf er mit dem heute legendären „Mors, Mors“ konterte. So schrieb er als Hans Hummel Stadtgeschichte und wurde zur ikonischen Figur, die bis heute in Hamburgs Stadtbild präsent ist. Doch die berühmte Figur erzählt nur einen Teil der Geschichte. Tatsächlich waren es überwiegend Frauen, die Tag für Tag schwere Wassereimer schleppten und damit den Alltag der Stadt prägten
Tatsächlich war der Beruf des Wassertragens vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert einer der wenigen Berufe, die Frauen ausüben durften. Für einen geringen Lohn trugen sie Tag für Tag schwere Lasten durch die Stadt. Ein hölzernes Joch lag auf ihren Schultern, daran zwei Zehn-Liter-Eimer aus Holz, befestigt an Eisenketten. Unter dem Gewicht krümmte sich ihr Rücken, und dennoch stiegen sie mit den gefüllten Eimern Stufe für Stufe bis in die obersten Etagen der Wohnhäuser.
Ohne ihre Arbeit hätte das Leben in der Stadt nicht funktioniert. Neben den Wasserträgerinnen brachten auch private Wasserwagen das kühle Nass in die Stadt. Schon früh am Morgen rumpelten die Wagen über das Kopfsteinpflaster, und noch bevor man sie sah, hörte man den Ruf: „Water, frisch Water!“ Frauen und Mädchen kamen mit Eimern und Krügen aus den Häusern, um Wasser für den Tag zu kaufen.
Jedes Jahr am 22. März feiern wir den Weltwassertag. Der Aktionstag macht darauf aufmerksam, dass alle Menschen ein Recht auf sauberes Wasser und eine gute Sanitärversorgung haben. In diesem Jahr stellen die Vereinten Nationen den Tag unter das Motto „Wasser und Geschlecht“.
Fehlt Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen in der Nähe ihres Zuhauses, entstehen Ungleichheiten. Denn in vielen Ländern tragen Frauen und Mädchen die Hauptlast: Sie müssen oft lange Wege zurücklegen, um Wasser zu holen. Sie verwalten die Ressource und kümmern sich um Erkrankte, die durch verschmutztes Wasser krank geworden sind. Gleichzeitig dürfen Frauen bei wichtigen Entscheidungen über die Wasserversorgung oft nicht mitreden.
Wo Wasser knapp ist, wird die Krise damit vor allem zu einer Krise für Frauen und Mädchen. Die Kampagne der Vereinten Nationen zum Weltwassertag „Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung“
macht darauf aufmerksam, wie eng die Verfügbarkeit von Wasser, die Situation von Frauen und die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit miteinander verbunden sind.
HAMBURG WASSER hat sich zur Aufgabe gemacht, mehr Frauen für technische Berufe in der Wasserwirtschaft zu begeistern und Frauen, die bereits in der Branche arbeiten, zu stärken und zu vernetzen. Dafür setzt HAMBURG WASSER auf ein integriertes Diversity-Management sowie gezielte Maßnahmen, z.B. einen regelmäßigen Nachwuchs-Treffpunkt für junge weibliche Fachkräfte, der Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung ermöglicht.
Auch in internationalen Betreiberpartnerschaften ist Geschlechtergerechtigkeit eine wichtige Komponente: In der Kooperation mit Ethekwini Water and Sanitation (EWS) in Durban hat HAMBURG WASSER einen regelmäßigen Austausch zwischen südafrikanischen und deutschen Mitarbeiterinnen eingerichtet. Ziel ist es, Frauen in der Technik im männlich dominierten Wassersektor zu stärken. Die Kolleginnen tauschen sich zu Fragen der Gleichstellung am Arbeitsplatz auf operativer Ebene wie auch im Management aus.