Alles, was seinen Weg in die Kanalisation findet, aber nicht beim Klärwerk landet, kommt irgendwann in die Finger von Sielmeister Dirk Grünert und seinen Kolleginnen und Kollegen. Ein ausgelatschter Schuh zum Beispiel, ein Brillengestell oder ein altes Gebiss. Auch einen demolierten Einkaufswagen haben sie hier schon gefunden.
Müll wird zu gefährlichen Hindernissen
Und das kann zu ernsthaften Problemen führen: „Illegal entsorgter Müll wird im Siel zu Abflusshindernissen“, sagt Grünert. Aber nicht nur für den guten Abfluss, sondern auch für die Mitarbeitenden in den Sielen sind die Gegenstände gefährlich.
In regelmäßigen Abständen reinigen Grünert und seine Kolleginnen und Kollegen unsere großen Stammsiele. So sorgen sie dafür, dass die Abwasser-Entsorgung reibungslos funktioniert. In den Stammsielen sind die Fachleute unter anderem mit dem Spülwagen unterwegs, der wie ein Hochdruckreiniger funktioniert: Mit einem Holzschild wird das fließende Abwasser gestaut. Dadurch entsteht Druck, der sich in einem Spalt zwischen Kanalwand und dem Schild des Spülwagens entlädt. So werden die Ablagerungen entfernt.
Für Orientierung in den Kanälen mit Durchmessern von 1,80 bis 3,50 Meter sorgt künstliches Licht. Das Wasser steht knietief, ist trüb und dunkel. „Wir tasten uns langsam vor“, sagt Grünert, „jeder unerwartete Gegenstand kann hier zu Unfällen führen.“
Was gehört nicht in die Toilette?
Damit wir unsere tägliche Arbeit ohne Probleme erledigen können und gemeinsam unsere Umwelt schützen, können auch Sie etwas tun: Machen Sie Ihr WC nicht zum Mülleimer! Nur Urin, Fäkalien und Klopapier gehören in die Toilette.
Gelangen Müll wie Feuchttücher ins Abwasser verstopfen Siele, Pumpen und Anlagen auf dem Klärwerk Hamburg und wir müssen Sie aufwändig herausholen. Aber auch Medikamente, Chemikalien und Essensreste haben hier nichts zu suchen. Warum? Das haben wir in dieser Übersicht zusammengestellt.
Feuchttücher weiterhin ein großes Problem
Eines der großen Probleme der Müllentsorgung in die Kanalisation stellen weiterhin Feuchttücher dar, mahnt Grünert. Die Tücher bestehen nicht aus Papier, sondern aus extrem robustem Vlies. Es ist quasi unmöglich, ein Feuchttuch zu zerreißen. Besonders problematisch werden die Tücher für unsere Pumpwerke, wo sie sich gemeinsam mit Watte-Artikeln, Haaren und sonstigen Feststoffen als sogenannte Verzopfungen ablagern. „Die zu entfernen, ist ein riesiger Aufwand“, sagt Grünert. Auf rund 215.000 Euro schätzt HAMBURG WASSER die jährlichen Kosten für Einsätze wegen ausgefallener Pumpen.
Bleibt nur noch eine Frage, wie ein Gebiss eigentlich in der Kanalisation landet? „Prothesen finden wir vor allem in den Sielen unter St. Pauli“, erzählt Sielmeister Grünert. Nach einer durchgezechten Nacht, die auf den Magen schlägt, könne so ein Gebiss auch mal unfreiwillig in der Toilette einer Kiezbar landen
Kanalfernauge: Inspektion mit dem Joystick
Pro Jahr werden mehrere Hundert Sielmeter des rund 5.800 Kilometer langen Netzes inspiziert. Während die großen Stammsiele noch zu Fuß oder mit dem Schlauchboot untersucht werden, kommen bei Sielen mit einer Höhe unter 1,80 Meter Kameraroboter zum Einsatz. Die sogenannten Kanalfernaugen werden per Joystick gesteuert und liefern regelmäßige Erkenntnisse über den Zustand der Siele.
Erkenntnisse, die so gewonnen werden, werden direkt vor Ort codiert und in eine Datenbank eingespeist. So können zukünftige Sanierungen passgenau geplant werden.