Ungewöhnliche Arbeitszeit für unseren Bautechniker Christian: Während die meisten Menschen in Hamburg ihren Feierabend genießen, zieht er sich die dicke Baujacke an. Es ist 18 Uhr und es wird schon langsam kühler, vor allem aber ruhiger auf den Straßen von Hamburg.
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Ausnahmsweise nachts
Baustelle wenn alle schlafen? Klingt gut. In der Regel arbeiten wir aber tagsüber und das hat gute Gründe. Denn Nachbaustellen können Anwohnende stärker durch Lärm belasten, höhere Gesundheits‑ und Unfallrisiken bergen und sind letztendlich auch deutlich teurer. Sie kommen nur zum Einsatz, wenn Verkehrssicherheit oder Verkehrsfluss tagsüber unzumutbar beeinträchtigt wären.
Und das ist der entscheidende Vorteil: Denn im Bereich Valentinskamp und Gänsemarkt muss HAMBURG WASSER ein altes Siel erneuern. Direkt an einer vielbefahrenen Straße, mit Buslinien, die tagsüber kaum ausweichen könnten – mitten im Herzen der Stadt.
Damit der Verkehr tagsüber weiter fließen kann, wurden die Arbeiten in die Nacht verschoben: Ab 20 Uhr abends darf die Baustelle eingerichtet werden um 6 Uhr morgens müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. Tagsüber bleibt die Belastung für Anwohnende, Pendelnde und Gewerbe dadurch gering.
Letzte Fahrt mit dem Kanalfernauge
Das betroffene Siel ist ein Meter hoch, einen halben Meter breit und hat das stolze Baujahr 1900. Es wird in zwei Abschnitten in drei Nächten wieder fit für die Zukunft gemacht. Zuvor wurde die alte Leitung bereits vom Netz genommen, das Abwasser der Nachbarschaft muss jetzt erstmal einen anderen Weg zum Klärwerk im Hamburger Hafen nehmen.
Bevor es ernst wird, wird noch eine letzte Befahrung mit dem Kanalfernauge gemacht: Das kann man sich wie ein ferngesteuertes Auto vorstellen, das mit feinen Kameras und hellem Licht ausgestattet ist. Per Joystick bringen die Experten den kleinen Roboter in den Kanal und schauen sich das Siel noch einmal auf dem Monitor an.
Neuer Schlauch im alten Siel
Dann geht es los mit dem sogenannten Schlauchlining-Verfahren: Ein mit Harz getränkter Spezialschlauch wird in das bestehende Siel eingezogen und härtet dort aus. So entsteht ein neues Rohr im alten – langlebig, dicht und ohne aufwendige offene Baugruben.
Dann wird der schwere Schlauch Stück für Stück über eine Winde in das Siel gezogen und mit Luft aufgeblasen, damit er dicht an der Innenwand anliegt. Zur Aushärtung wird dann UV-Licht genutzt. Zwei Schläuche sind von Montag bis Donnerstag verbaut worden. Tagsüber ist davon wenig zu sehen gewesen.
Arbeiten bis Ende September
Das war etwa einhundert Meter weiter anders: Hier wird parallel an der Dammtorstraße ein weiterer Schlauch geliefert: Per Schwerlasttransporter kam das 40 Tonnen schwere Bauteil bereits in den Abendstunden zur Baustelle. Anstatt mit Licht wird der Schlauchliner hier mit warmem Wasser ausgehärtet, es wird 48 Stunden lang rund um die Uhr gearbeitet.
Zwei Schläuche müssen in den kommenden Wochen rund um den Gänsemarkt noch verbaut werden. Im Anschluss folgen dann noch Nacharbeiten, um die Häuser wieder sicher an das neue Siel anzuschließen. Im September sollen sie abgeschlossen sein.