„Ein Filter ist nicht unbedingt die klügste Idee“ – Interview
Welchen Sorgen gegenüber Trinkwasser hört die Verbraucherzentrale am häufigsten?
Tristan Jorde, Verbraucherzentrale Hamburg:
Im Bereich Wasser ist es tatsächlich sehr oft so, dass die Menschen Angst haben, dass irgendwelche Stoffe im Wasser drin sind, die ihnen Schlechtes tun. Da vermischen sich sehr gerne allgemeine Informationen aus den Medien mit der Angst vor dem eigenen Wasserhahn.
Das ist tatsächlich ein häufiges Beratungsthema. In diese Nische hinein gehen Firmen, die bewusst Geräte und Apparate vertreiben, die den Leuten diese Angst nehmen sollen.
Dann sind wir bei den Wasserfiltern von ganz billig bis ganz teuer und da gibt es dann auch Beschwerden darüber, dass das Ding entweder nicht funktioniert oder viel zu teuer war oder... das ist sehr vielfältig.
Wie beratet ihr zum Thema Wasserfilter?
Tristan Jorde:
Eine wassertechnische Grundregel lautet halt: Je mehr Apparate zwischen mir und der Quelle sind, desto größer ist das Risiko, dass etwas schiefgeht. Das heißt: Wenn wir Probleme hätten im Wasser, dann ist auch ein Filter nicht unbedingt die klügste Idee, weil man sich auch mit dem Filter zusätzliche Probleme einhandeln kann, die man vorher gar nicht hatte.
Welche Probleme zum Beispiel?
Tristan Jorde:
Bei Kunststoffleitungen können das zum Beispiel Weichmacher sein. Bei Metallleitungen können sich Schwermetalle rauslösen mit der Zeit. Und wir haben bei einem Filter immer das Durchschlagphänomen, weil ein Filter seinen Benutzern, wenn sie nicht professionell organisiert sind wie in einem Wasserwerk, nie verrät, wie es ihm geht.
Das heißt: Ein Filter kann unter Umständen was rausfiltern, er kann aber auch schon voll sein und wenn er voll ist, hat der Filter die Eigenschaft, dass er durchschlägt. Das heißt, er gibt diese ganze Schadstofffracht mit einem Satz ab. Man sieht nix, man riecht nix und gefiltert wird trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil, ich habe dann ein ernsteres Problem als vorher.
Eine wassertechnische Grundregel lautet: Je mehr Apparate zwischen mir und der Quelle sind, desto größer ist das Risiko, dass etwas schiefgeht.Tristan Jorde
Verbraucherzentrale Hamburg
Gibt es Situationen, in denen ein Wasserfilter sinnvoll sein kann?
Tristan Jorde:
Sehr wenig. Wenn ich tatsächlich feststelle, dass irgendwo in der Hausinstallation noch alte Bleileitungen in Verwendung sind (das wird immer weniger werden), dann soll dieses Trinkwasser nicht zur Zubereitung der Nahrung für ein Baby verwendet werden.
Das Problem beim Filtern ist aber, dass wir eigentlich an der Quelle was ändern sollten. In dem Fall hieße das, dass natürlich auch die Trinkwasserleitungen saniert gehören in einem Haus, aus vielen Gründen.
Ich rate im Allgemeinen dann kurzfristig eher dazu, dass man sich Flaschenwasser kauft, weil die Installation eines Filters trotzdem das Problem hat: Vielleicht kriege ich das Blei heraus, aber unter Umständen mische ich dem Baby dann einen anderen Stoff rein und das wollen wir gar nicht.
Welcher Irrtum über Trinkwasser begegnet Ihnen besonders häufig?
Tristan Jorde:
Es gibt Medienberichte über die Kontaminationen im Grundwasser, die gern mit der Qualität des Trinkwassers vermischt werden. Und das ist eine der wichtigsten Botschaften, die ich immer vermittle. Ja, es gibt diese Kontaminationen. Ja, leider gehen wir sehr schlecht mit unseren Grundwässern um. Ja, leider gehen wir sehr schlecht mit unseren Böden um.
Aber dazwischen gibt es ja noch einen Wasserversorger und der sucht sich ja die Quellen so, dass er seine Grenzwerte nach der Trinkwasserverordnung einhalten kann und die sind ziemlich streng. Das sind mittlerweile über 90 Werte, die da gemessen werden müssen, teilweise im Wasserwerk werden die online die ganze Zeit gemessen.
Das heißt, man hat hier ziemlich gut die Hand drauf, dass das funktioniert. Man darf eben nicht vermischen: die berechtigten Sorgen über unser Grundwasser und wie wir damit umgehen, die teile ich total, aber das ist nicht automatisch das, was in meinem Trinkwasser landet.
Der zweite Mythos ist die Idee, Wasser sei dann am besten, wenn es nur noch H₂O ist. Das ist ein Unfug. Seit Menschheitsgedenken haben Menschen nie reines Wasser getrunken. Reines oder destilliertes Wasser ist nicht automatisch gesund.
Das ganze Gespräch – Podcast 33 Badewannen
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Das Interview ist eine gekürzte Version der aktuellen Folge unseres Podcasts 33 Badewannen. Darin schauen Natalia Möbius und Sebastian Knorr hinter die Kulissen von HAMBURG WASSER, einem der größten Wasserver- und Abwasserentsorger Deutschlands. Regelmäßig sprechen sie mit Expert:innen: Über innovative Technologien, echte Herausforderungen und Geschichten, die hinter der täglichen Versorgung von über zwei Millionen Menschen stecken. Zu hören, auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.
Häufige Fragen zu Wasserfiltern
In der Regel nicht. Unser Trinkwasser erfüllt strenge gesetzliche Vorgaben und wird regelmäßig kontrolliert, das sichern Trinkwasserversorger wie HAMBURG WASSER bis zur Grundstücksgrenze.
Ja. Werden Filter nicht regelmäßig gewartet oder rechtzeitig gewechselt, können sich Mikroorganismen vermehren oder die Filterleistung nachlassen.
Ja. Das Trinkwasser wird regelmäßig untersucht und muss die Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllen. Was drin steckt, können Sie in unser Detailanalyse für ihre Adresse in Hamburg auch selbst herausfinden.
In der Regel ist ein zusätzlicher Wasserfilter für Trinkwasser nicht notwendig. Das von den Wasserversorgern in Deutschland gelieferte Trinkwasser wird regelmäßig kontrolliert und erfüllt hohe gesetzliche Qualitätsanforderungen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Filter in besonderen Einzelfällen sinnvoll seien könne, temporär etwa wenn es Hinweise auf belastete Hausinstallationen gibt oder aber um die Hausinstallation besonders zu schützen, etwa bei sehr hartem Wasser.
Zusätzliche Aufbereitungs- und Filtersysteme sollten allerdings nur bei einem konkreten Bedarf eingesetzt werden, so die Bundesbehörde. Unsachgemäß betriebene oder unnötige Filter können hygienische und technische Risiken verursachen. Experten wie Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg empfehlen daher, bei Belastungen in der Hausinstallation zunächst die Ursache prüfen zu lassen.
Einige Filtersysteme versprechen das. Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Verdacht auf Bleileitungen jedoch vor allem eine Überprüfung beziehungsweise den Austausch der betroffenen Leitungen. Das ist mittlerweile auch gesetzlich so geregelt: Grundstückseigentümer sind nach Trinkwasserverordnung (§ 17 Absatz 1) verpflichtet, bereits zum 12. Januar 2026 alle Trinkwasserleitungen oder Leitungsteile aus Blei ausgetauscht oder stillgelegt zu haben.
Wenn Sie unsicher sind, ob das in ihrem Haus notwendig ist, können Sie ihr Trinkwasser bei HAMBURG WASSER auch auf Blei testen lassen.
Die Leitfähigkeit gibt Auskunft über die Menge gelöster Salze im Wasser. Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch eine schlechte Wasserqualität.