Damit die Versorgung auch künftig zuverlässig funktioniert, müssen die Netze kontinuierlich gepflegt, erneuert und weiterentwickelt werden. Doch wie steht es um Hamburgs Wasserinfrastruktur heute und welche Herausforderungen kommen auf sie zu?
Hamburgs Netze im Zukunftscheck
Im Gespräch: Nils-Peter Bertram, Referent für Strategie und Infrastrukturentwicklung bei HAMBURG WASSER.
Wie gut ist der Zustand unserer Netze?
Niels-Peter Bertram: Unsere Netze sind okay, sie sind aber teilweise ins Alter gekommen. Das Abwassernetz macht mir dabei etwas weniger Sorgen. Dort sind wir seit mehreren Jahrzehnten sehr intensiv bei der Erneuerung unterwegs – und das zahlt sich heute aus. Unser Hauptfokus liegt aktuell auf den Trinkwassernetzen. Das Netz ist insgesamt sehr intakt, wir haben nur geringe Wasserverluste und auch die Zahl der Rohrbrüche ist im Rahmen. Aber das Alter macht uns Sorgen. Deshalb müssen wir zusehen, dass wir die älteren Teile oder die Leitungen aus weniger geeigneten Materialien zügiger erneuern.
Die größte Herausforderung ist, dass im Moment alle bauen wollen und sollen.Niels-Peter Bertram
Referent für Strategie und Infrastrukturentwicklung
Hamburg hat sehr geringe Wasserverluste. Was bedeutet das konkret?
Bertram: Man misst die Wassermenge, die ins Rohrnetz eingespeist wird, und zieht davon das Wasser ab, das bei den Kundinnen und Kunden ankommt oder beispielsweise für Reinigungen genutzt wird. Die verbleibende Differenz sind die Verluste. Mit dem Wert stehen wir in Hamburg wirklich sehr gut da.
Info
Geringe Verluste
Der gemittelte Wert der Rohrnetzverluste lag in Hamburg zuletzt bei 3,6 Prozent von der gesamten Trinkwassermenge. Deutschlandweit waren es im Schnitt zuletzt noch knapp über 6 Prozent.
Warum kann die Erneuerung der Netze nicht einfach schneller vorangetrieben werden?
Bertram: Die größte Herausforderung ist, dass im Moment alle bauen wollen und sollen. Wir haben die Verkehrswende, den Ausbau der U-Bahn, die Energiewende, Brückensanierungen und den Ausbau der Bahninfrastruktur. Das führt auch bei uns zu sehr viel Arbeit. Häufig liegen unsere Leitungen genau dort, wo neue Infrastruktur entsteht. Dann müssen sie vor Baubeginn verlegt und später wieder zurückgebaut werden. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand.
Reicht das aktuelle Bautempo aus?
Bertram: Auf Dauer nicht. Wir müssen mehr bauen und mehr Infrastruktur erneuern. Dafür brauchen wir zusätzliche Bauzeitfenster – also Genehmigungen und Möglichkeiten, im Straßenraum Baustellen einzurichten. Wenn wir das nicht schaffen, hinterlassen wir kommenden Generationen kein ausreichend gebrauchsfähiges Netz.
Welche Rolle spielen neue Technologien?
Bertram: Eine große Rolle. Seit einigen Jahren setzen wir beispielsweise auf das sogenannte Keyhole-Verfahren. Das ist ein minimalinvasives Bauverfahren, mit dem wir deutlich schneller arbeiten und Straßen weniger stark beeinträchtigen. Statt einer großen Baugrube wird nur eine kleine Öffnung hergestellt, durch die die Arbeiten mit speziellen Werkzeugen erfolgen. Hinterher sieht man oft kaum noch, dass dort gebaut wurde.
Geht es künftig nur darum, bestehende Infrastruktur zu erhalten?
Bertram: Nein. Wir müssen das System auch weiterentwickeln. Hamburg wächst, neue Stadtteile entstehen und der Klimawandel stellt uns vor neue Herausforderungen. Wir haben längere Trockenperioden, aber auch stärkere Niederschlagsereignisse. Deshalb brauchen wir zusätzliche Lösungen, etwa um Regenwasser zu speichern, die Stadt zu kühlen und Wasser kontrolliert abzuleiten.
Ist der Blick auf die kommenden Jahre für Hamburg optimistisch?
Bertram: Ja. Hamburg hat mit der Strategie „Zukunft Tiefbau“ einen wichtigen Weg eingeschlagen. Ziel ist es, Genehmigungen zu vereinfachen, Bauprozesse zu beschleunigen und neue Verfahren stärker einzusetzen. Ich hoffe, dass wir dadurch schneller werden und trotz der vielen anderen Baustellen in der Stadt wieder mehr für unsere Netze bauen können.
Das ganze Gespräch – Podcast 33 Badewannen
Das Interview ist eine gekürzte Version der aktuellen Folge unseres Podcasts 33 Badewannen. Darin schauen Natalia Möbius und Sebastian Knorr schauen hinter die Kulissen von HAMBURG WASSER, einem der größten Wasserver- und Abwasserentsorger Deutschlands. Regelmäßig sprechen sie mit Expert:innen: Über innovative Technologien, echte Herausforderungen und Geschichten, die hinter der täglichen Versorgung von über zwei Millionen Menschen stecken. Zu hören, überall wo es Podcasts gibt.