"Wir müssen mit der Klimazone der Zukunft Hamburg denken und planen“
Herr Böttcher, wie ordnen Sie den Sommer 2026 ein?
Frank Böttcher:
„Es wird nicht unbedingt der heißeste Sommer sein, aber er wird zu den heißesten gehören, also zu den Top 5 mit großer Wahrscheinlichkeit. Wir haben neue Hitzerekorde gehabt, gleich mehrfach auch kurz hintereinander. Die Temperaturen liegen inzwischen an vielen Stationen in Deutschland weit über der 40-Grad-Marke. Das gehört in ein stabiles Klima überhaupt nicht hinein.“
Ist das, was wir erleben, noch Wetter oder schon Klimawandel?
Frank Böttcher:
„Das, was da draußen stattfindet, ist natürlich alles Wetter. Wenn morgens die Sonne scheint, ist das Wetter. Wenn nachmittags auf dem Thermometer 32 Grad stehen, ist das Wetter. Klima ist es dann, wenn man das über einen langen Zeitraum betrachtet und zu der Erkenntnis kommt, dass genau diese Wettererscheinungen immer häufiger auftreten. Klima ist ja nichts anderes als die Mathematik des Wetters. Und wenn sich das Klima wandelt, muss sich ja das Wetter wandeln.“
Was sagt die Forschung aktuell über die Entwicklung des Klimawandels?
Frank Böttcher:
„Bei der Forschungslage zur globalen Erwärmung ist es eindeutig: Wir sind in eine Beschleunigungsphase eingetreten. Wir sehen, dass die globalen Temperaturen der Kohlenstoffdioxidkurve folgen. Die nächsten 30 Jahre werden uns einen gewaltigen Temperatursprung bringen. Wir müssen sogar damit rechnen, dass wir bereits 2050 drei Grad globale Erwärmung bekommen. Dann haben wir in Deutschland eine Veränderung von vier bis sechs Grad. Da wandert Deutschland in großen Teilen in eine andere Klimazone.“
Was bedeutet das konkret für Hamburg?
Frank Böttcher:
„Hamburg kann noch viel mehr machen. Wir brauchen mehr Grün in der Stadt. Wir brauchen Bäume, die auch diesen veränderten Witterungsbedingungen standhalten. Im Moment ist es so, dass wir häufig noch Bäume pflanzen, denen wir in den nächsten 20 Jahren beim Sterben zuschauen. Wir brauchen Klimabäume. Und deshalb müssen wir mit der Klimazone der Zukunft Hamburg denken und planen. Das bedeutet auch, Pflanzen nach Hamburg zu holen, die in Klimazonen heimisch sind, die auf uns zukommen.“
Die nächsten 30 Jahre werden uns einen gewaltigen Temperatursprung bringen.Frank Böttcher
Klima- und Wetterexperte
Beim Extremwetterkongress kommen jedes Jahr Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen. Gibt es trotz aller Herausforderungen Anlass zur Hoffnung?
Frank Böttcher:
„Ja, den gibt es. Ich glaube, Mut und Zuversicht können wir gebrauchen. Wir sind viele Menschen, die an diesen Themen arbeiten und nach Lösungen suchen. Außerdem wird die Energiewende inzwischen nicht mehr nur aus Gründen des Klimaschutzes vorangetrieben, sondern auch aus wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Gründen. Das beschleunigt viele Entwicklungen. Und ich habe schon so viel schlechtes Wetter vorhergesagt, am Ende wurde es immer wieder gut.“
Das ganze Gespräch – Podcast 33 Badewannen
Das Interview ist eine gekürzte Version der aktuellen Folge unseres Podcasts 33 Badewannen. Darin schauen Natalia Möbius und Sebastian Knorr hinter die Kulissen von HAMBURG WASSER, einem der größten Wasserver- und Abwasserentsorger Deutschlands. Regelmäßig sprechen sie mit Expert:innen: Über innovative Technologien, echte Herausforderungen und Geschichten, die hinter der täglichen Versorgung von über zwei Millionen Menschen stecken. Zu hören, auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.