Zum Seiteninhalt springen

Schwammstadt: Quartier in Billstedt macht sich fit für Starkregen

In einem Pilotprojekt in Billstedt zeigen HAMBURG WASSER, Umweltbehörde und SAGA, wie sich auch bestehende Wohnquartiere besser an Starkregen und Trockenheit anpassen lassen. 15 begrünte Mulden schaffen Platz für insgesamt 320 Kubikmeter Regenwasser.

Autor des Inhalts: Redaktion. Datum der Veröffentlichung:

Wenn in kurzer Zeit große Mengen Regen fallen, kann es in dicht bebauten Stadtteilen eng werden. Straßen, Dächer und andere versiegelte Flächen können das Wasser nicht aufnehmen. Im schlimmsten Fall kann dann auch die Kanalisation an ihre Grenzen kommen und die Regenmassen zu lokalen Überflutungen führen.

Prinzipien der Schwammstadt können da helfen. Regen wird dort aufgefangen, wo er anfällt: etwa in Mulden, entsiegelten Flächen oder auf Gründächern. Dort kann er versickern und verdunsten. Und steht dann im besten Fall in Trockenzeiten auch der Vegetation zur Verfügung. 

Pilotprojekt schafft 15 neue Mulden

Landschaftsarchitekt Hans Olaf Klingenberg (v.l.n.r.), Christina Gayk von HAMBURG WASSER, Torsten Bettendorf (BUKEA), Michael Brachhold und Stefan Wind (beide SAGA) bei der Vorstellung des Projekts (Foto: Ulrich Perrey / HW)

Mittlerweile sind die Prinzipien der Schwammstadt zum festen Inventar städtebaulicher Planung geworden und werden so vor allem im Neubau realisiert. 

Mit einem gemeinsamen Pilotprojekt in Billstedt zeigen die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA, HAMBURG WASSER und die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), wie sich die Prinzipien der Schwammstadt in bestehenden Wohnquartieren umsetzen lassen. 

An der Möllner Landstraße, am Letternkamp und am Oststeinbeker Weg werden die Dachflächen von zehn Mehrfamilienhäusern mit rund 340 Wohnungen von der Kanalisation abgekoppelt: Statt ins Sielnetz fließt das Regenwasser zukünftig in insgesamt 15 begrünte Mulden.

Platz für 320.000 Liter Regenwasser

Die Mulden sind nur rund 25 Zentimeter tief und fügen sich damit unauffällig in die Grünanlagen des Quartiers ein. 

Ihre Wirkung zeigt sich vor allem dann, wenn besonders viel Regen fällt. Zusammen können die Mulden bis zu 320 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen, umgerechnet 320.000 Liter. 

Auf dem Boden sieht man einen geflasterten Weg, in dem ein Wasserweg läuft, der durch ein Gitter geschützt wird. Der Wasserweg läuft in eine Mulde aus Gras
Foto: Ulrich Perrey / HW

Neue Wege für das Wasser: Hier läuft Regenwasser zukünftig vom Dach in die Mulde

Potenzial auch für weitere Bestandsgebäude

Voruntersuchungen von HAMBURG WASSER zeigen, dass die Prinzipien hier greifen

„Um Hamburg zur Schwammstadt umzubauen, bergen bestehende Wohnquartiere enormes Potenzial“, sagt Ingenieurin Christina Gayk, die das Projekt für HAMBURG WASSER begleitet: „Wir haben Voruntersuchungen finanziert und mithilfe hydraulischer Simulationen nachgewiesen, dass eine Kombination aus Abkopplung, Versickerung und natürlichem Rückhalt an diesem Standort auch bei Starkregen funktioniert und zum Schutz des Quartiers beiträgt.“

Die Kosten für die Umgestaltung der Außenanlagen betragen rund 670.000 Euro. SAGA, HAMBURG WASSER und die BUKEA tragen jeweils ein Drittel der Projektkosten.

Um Hamburg zur Schwammstadt umzubauen, bergen bestehende Wohnquartiere enormes Potenzial.
Christina Gayk

Projektingenieurin HAMBURG WASSER

Hotspot an der Möllner Landstraße – Das steckt dahinter

Gerade in dem Billstedter Quartier ist das Pilotprojekt wichtig. In den vergangenen Jahren kam es hier immer wieder zu Überflutungen nach Starkregenereignissen. Zuletzt konnte sich bei einem außergewöhnlichen Starkregenereignis im Jahr 2024 auch das Hein-Klink-Stadion als Regenrückhalt bewähren, siehe Foto. Das aktuelle Projekt ist ein weiterer Baustein, um den Überflutungsschwerpunkt an der Möllner Landstraße sowie der U-Bahn-Station Merkenstraße zu reduzieren.

Sportplatz und Regenrückhalt: Das RISA-Stadion nach einem Starkregen am 7. August 2024 (Foto: Bezirksamt Hamburg-Mitte)

Das Abkopplungsprojekt ist neben dem Hein-Klink-Stadion ein weiterer Baustein, um den Überflutungsschwerpunkt an der Möllner Landstraße sowie der U-Bahn-Station Merkenstraße zu reduzieren.

Gemeinsam die Stadt an den Klimawandel anpassen

Das Beispiel aus Billstedt macht sichtbar, was hinter der Idee der Schwammstadt steckt: Regenwasser ist nicht nur etwas, das möglichst schnell verschwinden muss. Es ist eine Ressource, der wir in der Stadt wieder mehr Platz geben können.

Dabei bieten gerade bestehende Wohnquartiere viele Möglichkeiten. Was davon später sichtbar bleibt, ist in Billstedt erstaunlich unspektakulär: begrünte, flache Mulden zwischen den Häusern. Doch wenn der nächste Starkregen kommt, können genau diese Flächen einen wichtigen Unterschied machen.

Weitere Artikel zum Thema

Schwammstadt in Hamburg: Dieses Tool schafft Übersicht

Projekt RISA zeigt anhand von verschiedenen Maßnahmen, wie mit Regenwasser in Hamburg künftig besser umgegangen werden kann.

Artikel lesen

Bodenfeuchte: 22 Tage Trockenstress

Verzögerter Effekt: Trockenes Frühjahr macht sich erst im Mai als Trockenstress für Pflanzen im Boden bemerkbar.

Artikel lesen

Hamburgs heißester Tag: So kühlt die Schwammstadt

Wenn das Thermometer wie am 2. Juli die 35 °C erreicht, kann es in der Großstadt ungemütlich und sogar gesundheitlich gefährlich werden. Wo lässt es sich in Hamburg dann aushalten?

Artikel lesen